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Ludwigslust

Spielhalle Casina

Jürgen Rußbüldt betreibt mehrere Spielhallen in Norddeutschland. Die jüngste davon ist „Casina“ in Ludwigslust. Was ihm bei seinen Spielhallen wichtig ist, und welches Wiedererkennungssymbol er für sie gewählt hat, berichtet er in games & business.

 

 

Ein Springbrunnen, aus dem Licht statt Wasser zu strömen scheint – wo gibt es denn so etwas? In Ludwigslust. Im „Casina“, der neuesten von mehreren Spielhallen, die die Joker-Automaten-Aufstellgesellschaft in Norddeutschland betreibt. Im Zentrum des Hauptraums erhebt sich dieses kreisrunde Gebilde, randvoll mit weißen Steinen, die selbst zu leuchten scheinen. Verstärkt wird dieser Effekt durch drei große, metallisch glänzende Kugeln, die auf den hellen Steinen liegen. Illuminierte Rahmen und rechteckige Säulen tauchen den in dezenten Grautönen gehaltenen Raum zusätzlich in ein fast warmes Licht.

„Zweite Familie“

Passend zu dieser angenehmen Atmosphäre begrüßt Tanja Babendräger gut gelaunt die Besucher der Spielhalle. Die gelernte Verkäuferin hat hinter der Theke am Eingang die Halle komplett im Blick. „Jetzt bin ich glücklich, das ist ein Job, in dem ich alt werden kann“, strahlt die Frau, die bereits seit drei Jahren als Servicekraft in unterschiedlichen Spielhallen von Joker-Automaten arbeitet. „Das ist hier wie eine zweite Familie“, schildert sie. „Man spricht mit den Leuten, kennt die Stammbesetzung, und manchmal ist man sogar eine Art Seelsorger, wenn die Leute anfangen, von sich zu erzählen.“

Infomaterial und Schulungen

Dass Menschen Gewohnheitstiere sind und „toddern“ (nörgeln), wenn man sie mit Veränderungen konfrontiert, weiß Babendräger spätestens seit der Umstellung auf TR 5. „Das war wirklich eine Riesenumstellung.“ Gleichzeitig sei es aber eine gesetzliche Vorgabe, die sie umsetzen müsse, macht Babendräger klar, die auch die Eingangskontrolle der Gäste übernimmt. Darauf zu achten, ob einer der Gäste möglicherweise ein problematisches Spielverhalten an den Tag legt, hält Babendräger für eine „große Verantwortung“. Aber durch regelmäßige Schulungen sieht sie sich gut vorbereitet. Außerdem stünden Spielgästen Informationsmaterialien nicht nur an den Geräten zur Verfügung, sondern auch auf den Waschräumen der Toiletten. „Falls jemand sich geniert.“ Neben Babendräger arbeiten noch zwei weitere Servicekräfte im „Casina“.

Gespräche mit Politikern

Spielerschutz ist ein Punkt, auf den Jürgen Rußbüldt, Geschäftsführer der Joker-Automaten-Aufstellgesellschaft, bei Gesprächen mit Politikern verweist. Ihn stört, dass viele Leute negativ über Spielhallen sprechen, ohne selbst je eine betreten zu haben. Deshalb hält er es für sinnvoll, wenn man diese Kritiker in seine Spielhallen einlädt und diese sich selbst ein Bild von etwa der Einlasskontrolle oder dem Vorhandensein von Informationsmaterialien machen können. Gespräche mit Politikern sind für Rußbüldt essenziell, um Vorurteile gegenüber der Branche abzubauen. So hält er die Abstandsregelung, derentwegen er in Ludwigslust auch schon eine Halle schließen musste, für „irrsinnig“. Solche Regelungen hätten schließlich rein gar nichts damit zu tun, wie eine Spielhalle tatsächlich geführt werde. Außerdem habe er auch schon erlebt, dass Politiker ganz beeindruckt von dem gepflegten Ambiente und den geltenden Regelungen in Spielhallen waren. Der Frage, ob die Halle „extra rausgeputzt“ sei, habe er entgegnen können: „Nein, die sieht immer so aus.“

Schuss, der nach hinten losgeht

Auch deshalb seien regelmäßige Besuche von Politikern eine gute Gelegenheit, um das alte „Schmuddelimage“, das manche noch mit Spielhallen verbänden, loszuwerden.
Dass die Automatenbranche gerade unter städtischen Kommunalpolitikern oft „keine wirklichen Gegner“ habe, liege auch daran, dass diese die Einnahmen aus der Vergnügungssteuer für ihre Haushalte benötigten, stellt Rußbüldt nüchtern fest. Aus diesem Grund müsse die Branche auch darauf hinweisen, dass die Umstellung auf TR 5 „ein Schuss ist, der nach hinten losgeht“, unterstreicht Rußbüldt. Politiker wiederholten immer, dass durch diese Umstellung der Spielerschutz gestärkt werden solle. Tatsächlich fühlten sich die Spielgäste aber gegängelt und „wandern ins Internet oder in die Hinterhöfe ab“. Dort gebe es im Gegensatz zu legalen Spielhallen keinerlei Spieler- und Verbraucherschutz. „Die Leute wollen nicht vom Staat erzogen werden“, macht Rußbüldt klar. Das müsse die Politik begreifen. Er ist deshalb froh, dass er seinen Gästen in seiner neuesten Spielhalle neben sieben V2-Geldspielgeräten auch noch fünf V1-Geräte anbieten kann.     

Phönix als Symbol

Wer durch die 150 Quadratmeter große Halle in Ludwigslust schlendert, trifft überall auf die Bilder eines Phönix. Dieses Fabelwesen ist ein Symbol, das alle Spielhallen Rußbüldts ziert. „Dieser Vogel hat etwas Erhabenes“, sagt der Unternehmer. „Außerdem besitzt er eine gute Symbolkraft – vielleicht hilft er unserer Branche, sich auch einmal wieder zu erheben.“

(Quelle: games & business, September 2019)