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Stefan Dreizehnter

Wer schützt den Schutz?

Beginnt Spielerschutz erst jetzt? In den Diskussionen rund um den Glücksspielstaatsvertrag konnte man das fast glauben. Manchmal schien es fast, als ob die Branche selbst auch schon verdrängt, wie hoch der Spielerschutzstandard eigentlich schon ist – ohne die ganzen Maßnahmen, die jetzt noch dazugekommen sind.

Es sei daran erinnert, dass es zum Beispiel eine sogenannte Spielverordnung gibt. Die regelt Geldspielgeräte bis ins Detail bei Einsatz, Verlust, Gewinn, Spielzeit und einer Menge mehr. Der Job der Spielverordnung ist es, unangemessen hohe Verluste in kurzer Zeit unmöglich zu machen. Das tut sie auch. Im Geldspielgerät ist massiver und effektiver Spielerschutz schon seit vielen Jahren eingebaut. Und er greift.

Die Frage ist inzwischen vielmehr: Wer schützt den Schutz? Denn er nutzt nichts, wenn das legale Spiel immer unattraktiver und immer mehr zurückgedrängt wird. Dann werden andere Angebote attraktiv, wie in Berlin besonders gut zu beobachten ist. Dann verzieht sich das Spiel in die Hinterhöfe, ohne jede Kontrolle, ohne Spielverordnung, ohne jeden Schutz. Da feiert eine Form des illegalen Zockens fröhliche Urständ, von dem man eigentlich glaubte, dass es überwunden sei. Aber dem ist leider nicht so. Und das hat ganz klar damit zu tun, dass der Staat auf der einen Seite legale Unternehmen vertreibt. Und auf der anderen Seite den Vollzug gegen illegales Spiel massiv vernachlässigt.

Gerade jetzt, da viele Weichen neu gestellt werden, muss der Staat an seine aktive Rolle beim Spielerschutz erinnert werden. Denn nicht immer hat man den Eindruck, als stünde das im Fokus. Wenn ein Tag vor dem Stichtag zur Anmeldung für das bundesweite Spielersperrsystem der Start mal einfach so um vier Wochen verschoben werden muss, dann zeugt das nicht unbedingt davon, dass man die Sache so richtig ernst genommen hat. Eine ganze Branche praktisch über Nacht vor verschlossener Tür stehen zu lassen, ist übrigens kein Ausdruck übermäßiger Wertschätzung. Und wenn die zentrale Glücksspielbehörde, die den neu geregelten Markt überwachen soll, erst zwei Jahre nach dem Start der neuen Regeln ihre Arbeit überhaupt erst aufnehmen kann – wenn es gut läuft – dann scheint man es auch damit nicht wirklich eilig zu haben.

Für alles gibt es Gründe. Alles braucht seine Zeit. Und Qualität hat oft mehr mit Gründlichkeit als mit Schnelligkeit zu tun. Aber von der Branche wird verlangt, dass direkt am Tag des Inkrafttretens neuer personeller Anforderungen in Mehrfachkonzessionen für den Spielerschutz das Personal direkt auf der Matte steht. Trotz Pandemie, trotz Anlaufphase nach monatelangem Lockdown, trotz der Notwendigkeit, neue Arbeitsabläufe zu installieren und Menschen zu instruieren. Das sieht dann schon nach zweierlei Maß aus.

Der neue Glücksspielstaatsvertrag markiert eine Zäsur in Sachen Spielregulierung. Das Rad in Sachen Qualität wird sich nicht mehr zurückdrehen lassen – auch wenn einige noch bremsen. Aber diese Qualität wird nur dann ihre volle Schutzwirkung entfalten, wenn alle Beteiligten auch tatsächlich ihre Aufgaben ernst nehmen. Und da ist eines ganz klar: Was der Staat von der Branche verlangt, kann die Branche auch vom Staat verlangen.

In diesem Sinne

Ihr Stefan Dreizehnter
Chefredakteur games & business

[email protected]

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