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Stefan Dreizehnter

Paradoxer Mechanismus

Die Sache mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag geht wohl doch nicht ganz so glatt durch, wie erhofft. Das zeigen erste Reaktionen aus einigen Bundesländern, in denen sich Parlamentarier auch aus Regierungsfraktionen jetzt offenbar erstmals mit der Materie befasst haben – und dann gleich lautstark auf Abstand gegangen sind. Der Grund für die Kritik ist nicht überraschend: angeblich zu wenig Spielerschutz.

Wer aber den Glücksspielstaatsvertrag und die dazugehörigen Erläuterungen wirklich gelesen hat, der darf sich dann doch wundern. Man findet dort ein derart engmaschiges, kleinteiliges und auch technisch hoch komplexes Regelwerk, dass von "zu wenig Spielerschutz" nun wirklich keine Rede sein kann. Allein drei Datenbanken sollen ineinandergreifen, um den Spieler zu schützen. Auf der Kreuzung stehen sozusagen Polizist, Ampel und Stoppschild gleichzeitig, um den Verkehr zu regeln. Und ab und zu gehen sogar noch Schranken runter. Darfs noch ein bisschen mehr sein?

Aber auch wenn es noch ein bisschen mehr wäre, würde das die Kritiker vermutlich nicht beruhigen. Im Gegenteil. Je ausgefeilter und dichter der Schutz wird, desto suspekter erscheint er in den Augen von manchen, die ihn fordern. Die Automatenwirtschaft hat mit diesem paradoxen Mechanismus schon länger Erfahrung.

Es ist nämlich nicht der Schutz, sondern die grundsätzliche Aversion gegen das Spiel, um die es reflexhaft geht. Deswegen wird auch die geplante neue Behörde, die künftig unabhängig das Spiel regeln soll, schon mal direkt als "Zockerbehörde" diskreditiert. Sie könnte sich ja als brauchbar erweisen.

Die aktuelle politische Kritik am Glücksspielstaatsvertrag besteht daher aus Prohibitions-Folklore, die mit wirkungsvollem und modernem Spielerschutz nichts zu tun hat. Denn der wird 2020 über Qualität definiert.

Stefan Dreizehnter

Chefredakteur games & business
[email protected]

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