Dachverband

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Fachverband Spielhallen

Komplexe Realitäten

Die Sommersitzung des Fachverbands Spielhallen (FSH) zeigte in mehrfacher Hinsicht, wie herausfordernd die Zeiten für Automatenunternehmer aktuell sind.

Zur jetzigen Zeit Aufstellunternehmer zu sein, ist ein komplexes Unterfangen. Das zeigte sich an jedem Thema, das am 9. Mai im Verbändehaus Am Weidendamm in Berlin auf der Tagesordnung stand. Im Praxisdialog "Automatenaufstellung 2.0" gingen die Unternehmer am Morgen gleich in medias res. Alles, was den Teilnehmern unter den Nägeln brannte, sei im geschützten Rahmen unter Kollegen auf den Tisch gekommen. Von Gewinnanmutungen über V1-/V2-Quoten bis hin zum Auto-Logout sei offen und ohne Protokoll gesprochen worden, so der stellvertretende FSH-Vorsitzende Jean Pierre Berlejung, der die Runde moderierte. Die Situation sei für alle neu, jeder mache wichtige, oft schmerzhafte Erfahrungen und deshalb sei Austausch so wichtig.

Das fand auch FSH-Vorsitzender Frank Waldeck, aber in anderer Hinsicht. Er lenkte den Blick auf das Kreuzfeuer, in dem sich die Branche nach Veröffentlichung des Jahrbuchs Sucht durch die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) vor Kurzem plötzlich wiederfand. Laut DHS sind Süchte wie Alkohol, Tabak und weitere unbestritten für den größten Teil der Suchtproblematik in Deutschland verantwortlich. Die Veröffentlichung des Jahrbuchs flankierten aber zwei DHS-Pressemitteilungen, die einzig auf das Glücksspiel abzielen. Die Zahl der Spielsüchtigen sei im siebten Jahr in Folge deutlich zurückgegangen, so Waldeck. Die Präventionsanstrengungen zeigten Wirkung. Nach Lotto und Oddset habe man die drittniedrigste Prozentzahl an Suchtkranken. "Ich fordere daher einen ehrlichen und fairen Umgang ein." Es hätten alle Beteiligten nicht nötig, mit Polemik und Dreck um sich zu werfen.

Fehlende Rechtssicherheit

Austausch war auch das Zauberwort der Juristendebatte. Die beiden juristischen Berater des FSH, RA Dr. Damir Böhm und RA Tim Hilbert, schlüpften in die Rollen eines behördlichen Vertreters (Böhm) und eines Hallenbetreibers bzw. dessen juristischen Beistands. Olaf Weinstein vom Automatenmarkt moderierte das fingierte Streitgespräch, das allen das aus der aktuellen Rechtslage resultierende Dilemma der Unternehmer vor Augen führte. Spielhallenbetreiber hätten zurzeit keine Rechtssicherheit, so Böhm. Die Spielverordnung sei schlichtweg misslungen. In wichtigen Punkten sei rechtlich nicht eindeutig, was im Kontext der neuen Richtlinien vom Betreiber verlangt werde. Und Rechtsprechung existiere noch nicht. Hilbert sprach ein weiteres Problem aus: "Es gibt immer neue Regulierungen, die widersprüchlich zu älteren Regulierungen sind, die aber weiter Bestand haben." Sie rieten den Zuhörern, alle unternommenen Hilfemaßnahmen, um unter diesen Umständen rechtskonform zu agieren – wie aktivierte Auto-Logouts, Dienstanweisungen etc. – als "Beweismaterial" zu dokumentieren und im direkten Gespräch mit Behörden zu erfragen: "Was verlangt ihr noch von mir?".

Optimismus vs. Erfahrung

Großen Raum nahm auch die mit Spannung erwartete Podiumsdiskussion zum Thema "Online Gaming – Auswirkungen auf Spielhallen" ein, die Dr. Dirk Quermann, Präsident des Deutschen Online Casino Verbands, Claus Retschitzegger, Präsident der Österreichischen Vereinigung für Wetten und Glücksspiel, Helmut Kafka, Vorsitzender des Österreichischen Automatenverbands, Frank Waldeck und Dr. Damir Böhm als Moderator führten. Hier prallten konträre Standpunkte aufeinander. Optimismus seitens der Onlinevertreter traf auf jahrzehntelange bittere Erfahrungswerte der Spielhallenbetreiber, vor allem was das Schaffen eines kohärenten Rahmens für die unterschiedlichen Spielformen bei einer möglichen Legalisierung des Online-Markts betrifft.

Verbote funktionierten nicht und gingen an der Realität und den Wünschen der Kunden vorbei, argumentierten Quermann und Retschitzegger. Könne jede Spielform entsprechend reguliert und dabei hohe Spielerschutzstandards erbracht werden, entstünde überhaupt erst die Chance auf liberalere Regeln für alle. "Unsere Spielformen haben zu unterschiedliche Grundformeln, unsere Produkte sind nicht vergleichbar, wir sind Mitbewerber", hielten Waldeck und FSH-Vorstandsmitglied Heinz Basse dagegen. Sie forderten eine kluge Durchsetzung des existierenden Online-Spiel-Verbots und fragten nach dem Benefit einer Legalisierung des Online-Spiels für das stationäre Spiel, den sie aktuell nicht überzeugend erkennen konnten.

Mehr zur Sitzung des FSH gibt es in der Juni-Ausgabe von games & business.

Bild: Die Einschätzungen, wie sich eine Liberalisierung des Online-Markts auf Spielhallen auswirken könnte, gingen deutlich auseinander (v.l.): Frank Waldeck, Dr. Dirk Quermann, Dr. Damir Böhm, Claus Retschitzegger und Helmut Kafka.

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