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Online-Glücksspiel

Gesetzgeber drückt beide Augen zu

Online-Glücksspiel boomt, obwohl es in Deutschland verboten ist. Das "wilde Geschäft ausländischer Online-Casinos" ist jetzt auch beim "Spiegel" angekommen.

"Glückspiel im Internet boomt, obwohl es hierzulande verboten ist. Verlierer sind deutsche Firmen. Warum tut der Staat nichts?" Es ist überraschend, wer diese Frage stellt. Normalerweise sind es die legalen Spielanbieter, die den Finger in die Wunde legen. Diesmal ist es das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", das in seiner Online-Ausgabe irritiert feststellt: "Die Regulierungswut deutscher Bürokraten ist legendär, mit Schnurren über den Paragrafendschungel lassen sich Bibliotheken füllen. Doch ausgerechnet beim heiklen Thema Online-Glücksspiel drückt der Gesetzgeber beide Augen fest zu."

In der Spiegel-Analyse sieht es online so aus: "In der Praxis beherrschen ausländische Betreiber diesen Markt. Sie zahlen kaum Steuern in Deutschland und stellen ein Einfallstor für Geldwäscher dar." Gleichzeitig geraten legale Anbieter unter Druck. Als Folge der Online-Konkurrenz und der "ambivalenten Haltung des Staates" redet der "Spiegel" von "disruption" für das analoge Spiel. Eine restriktive Spielverordnung schränke die wirtschaftlichen Möglichkeiten zum Beispiel der Automatenwirtschaft ein und betreibe "Abschreckung im Namen der Suchtprävention, die online aber offenbar keine Rolle spielt."

Warum toleriert der Staat das Online-Geschäft? Bei der Suche nach einer Antwort ist das Nachrichtenmagazin bei Dr. Daniel Henzgen gelandet, Mitglied der Geschäftsleitung bei Löwen Entertainment. Wie Henzgen es sieht, liegt der Schlüssel zur Antwort im staatlichen Lotto- und Spielbanken-Monopol: "Wenn der Staat Online-Gaming legalisiert, muss er sein Lotto-Monopol anders rechtfertigen. Die Angst, dass private Anbieter dann ins Geschäft eindringen, blockiert eine zukunftsfähige Lösung."

Wie hartnäckig am Status quo festgehalten wird, zeigt die Stellungnahme von Marion Bleß, Vorstand der Lotto Stiftung Berlin, deutlich. "Der Spiegel": "Sie verweist darauf, dass die Lotto-Gesellschaften Steuern zahlen und Jugend-, Sport- und Kultureinrichtungen fördern; die Suchtgefahren seien überschaubar. Um das Online-Verbot durchzusetzen und Websites per Geo-Blocking zu sperren, plädiert sie für eine länderübergreifende Vollzugsbehörde."

So sieht also "die Betonierung einer alten Denke" aus, die Henzgen befürchtet und die eine mit Regulierung kombinierte Legalisierung des Online-Gaming verhindert. Dass der Wilde Westen beim Online Gaming weitergeht, steht für Henzgen außer Frage: "Die Kunden sind schon da."

Foto: © Der Spiegel

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