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Stefan Dreizehnter

Frontalangriff

Haben Sie es auch schon mitgekriegt? Zur Lotto-Annahmestelle gehen und dort den Tippschein abgeben ist nicht nur absolut altmodisch. Man wird dazu auch noch krank. Nein, nicht das, was Sie jetzt denken. Spielen und so ... Geschenkt. Es geht um Husten, Schnupfen, Heiserkeit – vulgo Grippe. Zumindest wenn es auf dem Weg dahin regnet, stürmt oder schneit. Da bleibt man doch lieber zu Hause, hält sich trocken und warm. Lotto wird natürlich trotzdem gespielt. Bei privaten Anbietern, versteht sich, via Internet. Das ist sicher, bunt und lustig. Und vor allem nicht old school.

Das alles sagt zumindest seit Neuestem die Werbung. Die läuft natürlich nicht unbedingt im öffentlich-rechtlichen Qualitätsfernsehen. Aber arg weit muss man nicht gehen, um der schönen neuen Lottowelt zu begegnen.

Otto Normalverbraucher wird sich nicht so viel dabei denken und mal ein Spielchen wagen. Unsereiner denkt dabei sofort: War da nicht was? Lotto-Monopol und so? Hat sich was geändert? Etwa das Gesetz? Stell Dir vor, es ist Glücksspielstaatsvertrag – und keiner kriegt es mit!

Nein, natürlich hat sich nichts geändert. Die Gesetze sind nach wie vor, wie sie sind. Was da passiert, ist schlicht und ergreifend grauer Markt. Bestenfalls.

Und auf jeden Fall ist es nicht zu fassen. Die legale gewerbliche Automatenwirtschaft darf zum Beispiel in Hamburg keine Goldfische in Schaufenstern abbilden, weil die als Glückssymbol zum Spiel verführen könnten. Und private Lottoanbieter greifen mit massiver Werbung den Bereich an, der für die Länder das Allerheiligste in Sachen Spiel ist. Ohne bislang erkennbare Folgen.

Nein, das muss man nicht verstehen. Es zeigt nur, wie schlecht unsere Glücksspielgesetze sind. Und dass wir dringend bessere brauchen, die das legale Spiel stärken, statt es kaputt zu machen. Das sagen alle legalen Anbieter. Es wird Zeit, dass die Politik auf sie hört.

Stefan Dreizehnter, Chefredakteur games & business

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