Dachverband

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Stefan Dreizehnter

Da geht noch was

Das Dachauer Volksfest ist eines der größten Volksfeste in Oberbayern mit jahrhundertealter Tradition. Seit 1894 gibt es dort auch den sogenannten "Glückshafen", der von der Stadt betrieben wird und in dem unter anderem auch Lose verkauft werden – so wie auf allen anderen Volksfesten auch. Das Lose-Ziehen ist zwar eines der etwas altertümlicheren Vergnügen – aber gerade deswegen bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt. Und genau das wird ihm jetzt zum Verhängnis.

Die Stadt Dachau hat nämlich in den letzten beiden Jahren für mehr als 40.000 Euro Lose verkauft. Bei allem, was über dieser Summe liegt, ist es aber keine "kleine Lotterie" mehr, sagt der Glücksspielstaatsvertrag. Und deswegen sind ab sofort alle unter 18 Jahren raus, wenn es um den Kauf von Losen geht. Jugendschutz.

Wohl dem Land, das Behörden hat, denen so etwas auffällt. Damit hat man das große Los gezogen. Es wäre schließlich nicht auszudenken gewesen, was alles hätte passieren können, wenn dieser exzessive Lose-Verkauf ungebremst weitergegangen wäre. Von grassierender Spielsucht unter Dachaus Jugend bis hin zur sozialethischen Desorientierung wäre alles möglich gewesen. Gefahr war schon seit über 100 Jahren im Verzug. Wie gut, dass der Vollzug wenigstens jetzt funktioniert.

Wir empfehlen zur Vorbeugung weitere Maßnahmen: Nur eine Losbude unter einem Kirmeswagendach. Mindestabstand von 500 Metern von einer Losbude zur nächsten und natürlich zu Einrichtungen, die von Kindern- und Jugendlichen besucht werden – zum Beispiel Autoscooter. Ab dem 11. November die Reduzierung von drei auf maximal zwei Lose-Verkaufseimern pro Losbude. Maximal drei Lose pro Verkaufsvorgang. Und nach drei Stunden ununterbrochenem Lose-Verkauf die komplette Schließung der Losbude für zehn Minuten.

Wenn der Dachauer Bürgermeister meint, das schlichte Verbot des Lose-Verkaufs an Jugendliche sei ein Beispiel für "den Regulierungswahn in unserem Land", dann sei ihm die Lektüre des Glücksspielstaatsvertrags empfohlen. Er wird schnell feststellen: Da geht noch was.

Stefan Dreizehnter, Chefredakteur games & business
dreizehnter@gamesundbusiness.de

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