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Manfred Schlösser

Chaos hoch fünf?

Das Meinungsgerangel um den Impfstoff von Astra-Zeneca spiegelt das Chaos der Pandemie-Bekämpfung wider. Die EMA empfiehlt das Impfmittel aus britisch-schwedischer Produktion uneingeschränkt an alle zu verimpfen. In Großbritannien wird er jetzt nur noch bei über 30-Jährigen eingesetzt, in Schweden auch, in Deutschland bei über 60-Jährigen. Die einen sehen im Sinne einer Kosten-Nutzen-Analyse die Probleme als klein an, die anderen konzentrieren sich auf den Schutz des Einzelnen und tun sich eher schwer damit.

Im Saarland führte das Hickhack um den Shutdown zu Ostern zu mehr Lockerungen statt zu mehr Lockdown. Armin Laschet, den einen zu lasch, gefiel anderen gerade, weil er im Land flexibel und gegenüber den Nachbarländern freundlich agierte. Viele davon wird er mit seinem österlichen Brücken-Lockdown verloren haben, wobei manch einer in der Politik jetzt auf seine Linie einschwenkt. Gleichzeitig ordert Söder im Alleingang den Russen-Impfstoff Sputnik V, der noch keine EMA-Zulassung hat. Hätte Deutschland in einem ähnlichen Alleingang einfach mal dafür gesorgt, dass Impfstoff in Mengen da wäre, so wäre die EU wohl daran zerbrochen.

Aber sind wir tatsächlich in einer Zeit des Chaos hoch fünf? Deutschland kommt besser durch die Pandemie als nahezu alle anderen Länder Europas. Wer Freunde in England, Frankreich oder Italien hat, der weiß, dass sich Shutdowns und Öffnungen dort viel chaotischer abspielen als hierzulande. Dem Chaos hoch fünf begegnet man täglich in den sozialen Medien, seit jedermann mit noch so viel Blödsinn um Follower und Freunde buhlen kann. "So einen Quatsch melden wir nicht", ein Satz, der früher oft in Redaktionssitzungen fiel – die sozialen Medien erreichte er nie.

Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, haben viele Menschen – auch ich – oft den Eindruck, als sei Chaos hoch fünf an der Tagesordnung. Dass nicht alle Gesundheitsämter am Wochenende ihre Infektionszahlen melden können oder wollen, allein das lässt einen an Tatkraft und Kompetenz massiv zweifeln. Dass Impfstoffe so schnell entwickelt wurden, müsste einen dagegen froh und zuversichtlich stimmen. Aber alles Positive wird zur Zeit vom ständigen Hin und Her überlagert. Es sind die Unfähigkeit vieler Fürsten und die Fehlbesetzungen in manchen Verwaltungen, die uns täglich den Eindruck von Chaos hoch fünf vermitteln.

Ja, auch die Automatenwirtschaft leidet. Das Ausmaß bei vielen Unternehmen lässt sich kaum beschreiben. Seit März 2020 stehen nun schon acht Monate lang alle "Walzen" still. Es gab in Sommer und Frühherbst nur eine kurze Zeit der Erholung. Wie muss es sich anfühlen, wenn man als Unternehmer durch leere Spiel- oder Gaststätten geht? Sie waren immer Freude, Herausforderung und Existenz zugleich. Jetzt herrscht Leere: In den Kassen, in den Räumen aber auch in den Seelen der Unternehmer und Mitarbeiter. Dagegen helfen kein Impfstoff und auch keine Staatshilfen. Aber richten wir uns darauf ein, dass es wieder Mitte Mai werden kann, bis Freizeiteinrichtungen öffnen dürfen. Es geht der Politik nämlich nicht um die Frage, ob Hygiene oder Abstand eingehalten werden können, das ist nur vordergründig. Es geht einzig und allein um ein Ziel: Mobilität raus zu nehmen. Wer sich das klar macht, der kann etwas leichter mit den hier und da sinnfreien Maßnahmen umgehen und so etwas besser durch die Zeit kommen.

In diesem Sinne

Ihr Manfred Schlösser, Verleger games & business

[email protected]

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