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Manfred Schlösser

Banken, Arbeitslose, Politikversagen

Künftig muss ein Kunde, der seine Visa-Card fürs Glücksspiel nutzt, 3 Prozent vom Umsatzzahlen. Mindestgebühr sind 3,90 Euro. Im Casino, im Wettbüro, beim Lottoeinsatz und Onlinecasino ist also künftig die Bank immer dabei, wenn Visa-Card-Nutzer ein Spielchen machen.

Glücksspielgebühr nennt die Bank das. Nach FAZ-Informationen haben andere Banken wie Consors-, oder Post-Bank diesen Schritt schon vor einiger Zeit gemacht. Auch sie bitten mit 2,5 oder 3 Prozent zur Kasse. Banken können ja am Empfängercode erkennen, wenn es sich um Glücksspiel handelt. Die Consorsbank unterscheidet dabei sogar, ob es sich um staatliches Lotteriespiel handelt, dafür nimmt sie keine Gebühr.

Fake News? Bei der FAZ sicher nicht. Aber sind jetzt alle verrückt geworden? Sind nicht die Banker die größten Zocker der Welt? Dass man eine Gebühr zahlt, wenn man Geld am Automaten zieht, ist ja noch erklärbar. Automaten, Personal, Räume etc. kosten nun mal Geld. Aber für das Glücksspiel zahlt man letztlich wie an der Edeka-Kasse. Man zahlt für eine Leistung wie für ein Produkt, es entsteht überhaupt kein gesonderter Aufwand. Aber hier wird offensichtlich zwischen gutem und bösem Bezahlvorgang unterschieden. Glücksspiel ist halt böse. Wer zockt, der kann auch zahlen. Ja, es verschlägt einem die Sprache – auch wenn das gewerbliche Spiel nicht direkt betroffen ist. Das Glücksspiel am Pranger. Dafür hat die Politik gesorgt. Sie hat lautstark die Jagd auf das gewerbliche Spiel am Automaten eröffnet und in die Welt getragen. Jetzt darf jeder das Huhn mitrupfen und sich dabei noch auf die Schulter klopfen. Schließlich tut man ja was Gutes.

Glücksspielgebühr als Teil der Suchtprävention? Honi soit qui mal y pense. Was die Politik mit ihrem Feldzug gegen das Automatenspiel losgetreten hat, dürfen künftig auch andere noch viel schmerzhafter ausbaden. Eine Umfrage von Löwen Entertainment belegt, dass der Glücksspielstaatsvertrag rund 40.000 Arbeitsplätze gefährden wird. Zu Tage gebracht hat die Studie auch, dass von 92 Prozent der Befragten die Zahl der möglichen Arbeitsplatzverluste in der Branche deutlich unterschätzt wird. Auch wissen nur ganze 4 Prozent, dass 60.000 bis 65.000 Menschen in Deutschland direkt in der Branche arbeiten. Und das sind repräsentative Werte, denn im Rahmen der Studie wurden 1.000 Online-Interviews geführt.

Bei der Politik dürften diese und ähnliche Zahlen längst angekommen sein, warnt die Branche doch seit Jahren vor den Konsequenzen von Glücksspielstaatsvertrag und Spielhallengesetzen in den Ländern. Muss also die Politik zum Ohrenarzt? Hört sie nicht mehr hin und merkt nicht einmal mehr, dass sie auch das eigene, staatliche Glücksspiel gegen die Wand fährt? Wie ignorant muss man da sein? Ausländische Anbieter stehen längst ante portas, um das Staatslotto auf dem Rechtsweg in die Knie zu zwingen.

Nimmt die Politik nicht bald den Auftrag ernst, das Glücksspiel europarechtskonform zu regeln, dann wird das Kartenhaus ihres Glücksspielmonopols zusammenbrechen. Wild-West hat dann freie Hand. Ihre Pläne von Spielerschutz und Prävention können Bund und Länder dann in den Wind schreiben."Respice finem", hätten die alten Römer empfohlen,"bedenke das Ende, was auch immer du tust". Noch ist es nicht zu spät, liebe Politik, aber die Uhr tickt.

In diesem Sinne

Manfred Schlösser, Verleger games & business

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