Steffen Hanak

Aufwachen, bitte!

In der Schule hieß es immer „Guten Morgen“, wenn man gepennt und eine dumme Frage gestellt hatte, die längst beantwortet war. Manchen Politikern und Behördenmitarbeitern hierzulande könnte man jeden Tag im Jahr lautstark „Guten Morgen“ entgegenrufen. Denn eigentlich sollte ihnen auch längst klar sein, dass eine Gefahr für die Verbreitung von Spielsucht vom illegalen Spiel ausgeht – nicht von den durchregulierten und streng kontrollierten legalen Angeboten.

Trotzdem ist es in manchen Bundesländern noch immer so, dass an dieser Stelle nicht differenziert wird. Glücksspielangebote werden dichtgemacht. Ohne auch nur im Mindesten darauf zu achten, ob gerade eine legale, staatlich konzessionierte Spielhalle von der Schließung betroffen ist oder ein schnell hingezimmertes Café-Casino, für das Spie­lerschutz ein Fremdwort ist. Stattdessen werden mancherorts sogar deutlich mehr legale Spielhallen dichtgemacht als Café-Casinos, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Da die Kritik von Aufstellunternehmern und Branchenverbänden vielerorts leider ungehört verhallt, muss man auf Selbsterkenntnis hoffen.

Die könnte – reichlich verspätet – einsetzen, wenn im Saarland die Umsätze der staatlich konzessionierten Spielbanken zu sinken beginnen, weil vor allem in Grenznähe zu Frankreich Dutzende illegale Spielangebote die Kunden locken. Ein anderer Denkanstoß könnte von der Polizei kommen – immerhin selbst eine staatliche Institution. Im Gespräch mit games & business haben Berliner Polizeibeamte eingeräumt, dass möglicherweise die Reduzierung legaler Spielhallen zu einem Ausweichen in das illegale Glücksspiel geführt haben könnte. Nach Einschätzung des Berliner Landeskriminalamts könnten außerdem die reglementierten zugelassenen Geldspielgeräte weniger interessant sein. Hoffen wir, dass die Politik nicht erst aufwacht, wenn um sie herum das legale Spielangebot verschwunden ist und nur noch Café-Casino-Buden existieren. Das wäre ein Albtraum.

Steffen Hanak, stellv. Chefredakteur games & business
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