Dachverband

Kell am See

Hochwald Spielhalle

Mit viel Holz und noch mehr Grün empfängt Jörg Zwilling seine Gäste in der Hochwald Spielhalle in Kell am See. Seit dem 1. August können Besucher hier ihr Glück versuchen. Zahlreiche Tiere beobachten sie dabei.

 
 

 

Eigentlich möchte man die Dame hinter dem rustikalen Tresen aus Holzbohlen gleich nach einer Wanderkarte fragen. Wer die Hochwald Spielhalle – am Ortseingang von Kell am See, direkt an der Hunsrückhöhenstraße gelegen – betritt, wähnt sich kurzzeitig im Besucherzentrum eines Naturparks. Direkt hinter der Eingangstür blickt die versammelte heimische Fauna aus großen Farbfotografien von der grün getünchten Wand auf die Besucher herunter. Vorbei an Fuchs, Schleiereule, Reh, Eichhörnchen und Fasan biegt man ab in Richtung Theke. Links hohe Pflanztröge aus Holz sowie dazwischen stilisierte Baumstämme, rechts zwei riesige Wandplakate, die ein zusammenhängendes Waldstück formen.

„Sowas haben wir noch nie gesehen“, habe ein Mitarbeiter der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) beim Besichtigungstermin für die Erteilung einer Betriebsgenehmigung gesagt, berichtet Jörg Zwilling stolz. Der 53-Jährige hat die Hochwald Spielhalle in einem alten Autohaus eingerichtet und am 1. August dieses Jahres eröffnet.

Liebe und Heimweh

„Die Tiere waren die Idee meiner Frau“, erklärt er mit Blick auf die zahlreichen Tiermotive, die mehrere Wände der Halle zieren. Überhaupt ist es seiner Frau zu verdanken, dass Zwilling diese Halle eröffnet hat. Zumindest indirekt. Der gebürtige Trierer ist nämlich nicht schon immer in der Automatenbranche aktiv gewesen, sondern verdiente zunächst als gelernter Restaurantfachmann und Koch sein Geld. Jahrelang arbeitete er als Geschäftsführer eines großen Restaurants in Bonn, „in dem die Botschaftsangehörigen aus- und eingingen“. 1988 lernte er allerdings seine spätere Frau kennen, die aus derselben Region stammte wie er – und kehrte zurück in den rheinland-pfälzischen Westen. Ein bisschen Heimweh war auch dabei, gesteht Zwilling. „Ich bin seit meiner Ausbildung – das war im 15. Lebensjahr – von daheim weg und durch ganz Deutschland gezogen. Irgendwann wollte ich wieder zurück.“

Eine neue berufliche Perspektive bot sich über seine Cousine, die als Aufstellunternehmerin in seinem Heimatort Binsfeld tätig war. Also stieg er 1988 bei Automaten Bäumler ein – und blieb. Über zwei Sparten übernimmt das Unternehmen mittlerweile die Gastronomie-Aufstellung für 30 Betriebe und führt acht Spielhallen. Zwilling ist in beiden Fällen Geschäftsführer, im Bereich der Gastronomieaufstellung zusammen mit einem Partner.

„Ich bin kein Mensch, der im Büro sitzt – ich muss raus“, betont Zwilling. Egal, ob Wirte in der Gastronomie oder das Servicepersonal in den Spielhallen: „Der persönliche Kontakt ist mir wichtig“, unterstreicht er. Eine Eigenschaft, die sich vor allem bei der TR 5-Umstellung als nützlich erwies, um Mitarbeiter für die Veränderungen zu sensibilisieren, die die neue Technische Richtlinie mit sich bringt. Aber Zwilling geht es nicht nur um Mitarbeiter und Geschäftspartner. Ihn stört, dass in der Öffentlichkeit ein so negatives Bild von der Branche existiert. „Bei der Automatenbranche denken viele sofort an Milieu“, ärgert sich Zwilling. „Dabei sind die allermeisten solide Unternehmer.“ Um zu zeigen, dass Vorurteile und Realität oft nicht dasselbe sind, geht der Familienvater in die Offensive. „Wenn wir die Öffentlichkeit stärker mit ins Boot holen, bekommt die Branche ein anderes Gesicht“, hofft er. Dem Bürgermeister von Kell hat er deshalb bereits vorgeschlagen, bei einer Gemeindevertretersitzung in einer Art Infoveranstaltung über seine Spielhalle zu berichten. Bisher ist dieses Angebot zwar noch nicht wahrgenommen worden, aber dafür „ist der komplette Gemeinderat schon in meiner Spielhalle gewesen“, berichtet Zwilling. „Sie waren positiv überrascht“, freut sich der Unternehmer.

Transparenz als Schlüssel

„Es geht um Transparenz“, ist Zwilling überzeugt. „Wir müssen zeigen, dass wir sauber und gesetzeskonform arbeiten.“ Weithin sichtbar stehen in seiner Spielhalle deshalb die Infobroschüren der Beratungsstellen für Suchtprävention auf dem Tresen. Und nicht nur dort.
Wer an dem großformatigen Foto eines Steinkauzes vorbei zu den Toiletten geht, entdeckt, dass der Unternehmer auch in diesen Räumlichkeiten Info­material aufgestellt hat. „Für den Fall, dass jemand es aus Scham nicht für alle sichtbar an der Theke einstecken ­möchte.“

Sonst ist in der Halle für Geselligkeit durchaus Raum vorhanden. Ein Bartisch in Form einer Traktormotorhaube sei bei den Gästen besonders beliebt, sagt Zwilling.
Sein Personal hat Zwilling selbst geschult, um es auf die TR 5-Umstellung vorzubereiten. Die Schulung für die Suchtprävention erfolgte mit einem von der ADD anerkannten Psychologen.

Eine bestimmte Zielgruppe möchte der Unternehmer mit dem rustikalen Interieur seiner Spielhalle nicht ansprechen. Für ihn muss seine Halle einfach einen „Wohlfühlcharakter“ besitzen. Deshalb hat er die Waldplakate an die Wand geklebt. „Jetzt haben die Gäste hinter sich Wald und auch, wenn sie vorne aus den Fenstern gucken“, erklärt Zwilling. In seiner 161 Quadratmeter großen Halle hat er zehn Geldspielgeräte aufgestellt – je 5 der Version 1 und der Version 2. Bei den neuen V2-Geräten gebe es laut Zwilling zwar noch „Kinderkrankheiten“, aber insgesamt ist er optimistisch: „Die negative Reaktion der Gäste auf TR 5 flacht langsam ab.“

(Quelle: games & business, Dezember 2018)