Dachverband

Rodenbach

For Amusement Only e.V.


Vielleicht war das Ende der Drogeriemarktkette Schlecker ja schon viel früher abzusehen. Im kleinen
Rodenbach, unweit von Hanau, stand jedenfalls eine ehemals von Schlecker angemietete Ladenfläche schon
länger leer. So ergab es sich, dass sich Ende 2009 eine Gruppe von Automatensammlern zusammenfand und
die Räumlichkeiten günstig anmieten konnte. Es war der Startschuss für „For Amusement Only e.V.“: einen
Verein, der es sich zur Aufgabe macht, „die Geschichte von Spielgeräten zu dokumentieren und in einen
historischen, gesellschaftlichen sowie technischen Kontext zu stellen“ – so in Paragraf 1 der Satzung
nachzulesen.

 

 

 

 


Querschnitt aus 50 Jahren

Dass sich auf gut 370 Quadratmetern Ausstellungsfläche ein durchaus repräsentativer Querschnitt an Unterhaltungsautomaten der vergangenen 50 Jahre zeigt, hat mit den unterschiedlichen Vorlieben der vier Kernsammler und Mitbegründer zu tun.
Vereinspräsident Reiner Krapohl brachte 50 Videospielgeräte, vier alte elektromechanische Spielgeräte sowie fünf elektronische Flipper in die Sammlung ein. Die beiden Aschaffenburger Michael Schlett und Alex Rückert verlagerten ihre über 60 Flipper umfassende Sammlung nach Rodenbach. Und der Vierte im Bunde, Hagen Krentz, konnte ebenfalls Flipper sowie drei alte elektromechanische Spielgeräte beisteuern, die heute absolute Raritäten sind. Die Automatenhistorie der Vier verdeutlicht, dass da nicht einfach spät mit einem Hobby angefangen wurde; vielmehr steckt in der Sammlung, in der Präsentation sowie der Restauration eine Menge Leidenschaft. Reiner Krapohl jedenfalls erinnert sich genau an die Anfänge. „In meinem Fall war das erste Gerät ein ,Centipede’ aus der Garage des Kölner Aufstellers Walter Töpfer, das ich 1983 günstig ankaufen konnte“, so Krapohl, der seine Geräte ziemlich gut beherrscht. Einerseits in Sachen Reparatur, andererseits aber auch als Spieler, der die Hochzeiten von „PacMan“, „Asteroids“ und „Donkey Kong“ in den Spielstätten erlebt hat.


Reparaturerfahrung aus den USA

Hagen Krentz war sogar noch deutlich jünger, als im zarten Alter von elf Jahren der erste Flipper in seinem Kinderzimmer stand. Der „Monte Carlo“ von Bally muss es ihm angetan haben, denn auch er besorgte sich das nötige Wissen, um Reparaturen selbst durchzuführen. Krentz war sogar einige Jahre bei Herb Silvers „Fabulous Fantasies“ in Los Angeles tätig und verdiente dort sein Geld mit Reparatur und Restauration von alten Automaten. In diesem Sinne fällt es den Vereinsmitgliedern nicht allzu schwer, den Satzungspunkt „Erhalt und Restaurierung von Spielgeräten“ abzudecken. Für jede Geräteart gibt es Spezialisten, für jedes Problem eine Lösung, und auch die empfindlichen Platinen mit den sensiblen elektronischen Bauteilen werden niemals aufgegeben, sondern stets wiederbelebt. Der Fokus richtet sich in erster Linie auf die Pflege der Geräte, die Reinigung sowie das Tauschen von Birnchen, Gummis und Sicherungen beim Flipper beispielsweise. „Eine Ausnahme sind Monitor-Reparaturen bei den TV-Geräten, hier haben wir aber Kontakte zu Freunden außerhalb des Vereins, die schon mal aushelfen“, erklärt Diplom-Informatiker Krapohl.
Die Ersatzteilbeschaffung bei teils über 50 Jahre alten Automaten ist gar nicht so dramatisch. Wenn das Originalstück fehlt, wird mit einem Ersatzstück improvisiert und modifiziert. Da wird etwa ein moderner Antriebsmotor mit selbstgebautem Riemenantrieb statt der originalen Zahnräder verbaut – für den Spieler nicht sichtbar und daher durchaus zu entschuldigen. Grundsätzlich wird vom Vereins-Team fast jeder Automat wieder auf die Reihe bekommen, aufgegeben wird kein Gerät. Alle Automaten bleiben im Besitz des einzelnen Mitglieds, das es in den Vereinsräumen unterstellt.
Alte Neuzugänge kommen auch deshalb hinzu, weil private Verkäufer sich eher von ihren Schätzen trennen mit der Aussicht, das Gerät (wieder funktionsfähig) später im Verein anzutreffen. 


Wahre Fans kommen von weit her

Der Erfolg des noch jungen Vereins lässt sich an jedem ersten Samstag im Monat ablesen. Dann sind immer über 50 Gäste zu Besuch, die aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet, teils sogar aus Limburg und südlich aus Würzburg kommen. Das Spielen ist die eine Seite, der Austausch die andere. Dafür gibt es eine gemütliche Lounge-Ecke und eine kleine Bar, und dank vorzüglicher Verpflegung nehmen viele Gäste die maximale Verweildauer in Anspruch.
Die Bilanz darüber, welche Geräte besonders angenommen werden, zeigt bei den Flippern die Dot-Matrix-Klassiker – wie „Addams Family“, „Indiana Jones“ und „Star Trek TNG“ – weit vorn. Andere elektronische Pinballs haben ihre speziellen Fans, die dann fast nur an „ihrem“ Flipper spielen. Bei den Arcade-Spielen sind interessanterweise auch die eher primitiven alten elektromechanischen Automaten beliebt, etwa die Schrottplatzsimulation „junkyard“ oder der „Space Pilot“, eine Mondrakete, die per Motor und Propeller gesteuert wird. Videoklassiker wie „Gauntlet“, „Galaga“ und „Missile Command“ stehen ebenso hoch im Kurs wie der Doppel-Fahrsimulator „GTI-Club“.
For Amusement Only – schon der Vereinsname signalisiert, dass Unterhaltungsautomaten im Vordergrund stehen, die für die Branche wichtigen Geldspielgeräte bleiben demnach außen vor, weil sie nicht ins Konzept passen. Aus dem kleinen Rodenbach selbst kommen nur ganz wenige Besucher, und auch die Politik hat sich bisher nicht gemeldet. Ebenso wie die gute Fee. Auf die Frage nach dem Wunschautomat kommt von Reiner Krapohl die schnelle Antwort, dass ein Original „Pac Man“ tatsächlich noch in der Sammlung fehlt. Der würde seine persönlichen Automaten-Highlights „Marble Madness“ und „Joust“ perfekt ergänzen.


(Stand: Mai 2012)