Dachverband

Berlin

Automatencasino für Frauen

Seit Herbst 2013 lädt das Automatencasino von Vulkan Stern in Berlin-Moabit zum Spielen ein. Aber nicht jeder ist willkommen: Hier dürfen ausschließlich Frauen spielen. Eine Idee, die dem Unternehmen positives Feedback und guten Umsatz einbringt.

 
 
 

 

Schon die Außenfassade macht klar, welche Zielgruppe die Spielstätte anspricht: „Welcome Ladies“ steht dort und „Berlins erste Spielhalle nur für Frauen“. Hinter der Eingangstür erwartet den Besucher ein längerer Gang, der ganz in den Farben Rot und Blau gestaltet ist und bereits etwas ins Lila geht. Dann steht man, besser gesagt frau, vor einer verschlossenen Tür. „Unsere Gäste müssen hier klingeln. Durch die an der Decke angebrachte Kamera sieht die Servicekraft dann, wer vor der Tür steht. Eingelassen werden ausschließlich Frauen“, erklärt Betriebsleiter Gabriel Lewitanus.

Außergewöhnliche Idee

„Wir haben festgestellt, dass immer mehr Frauen in die Spielstätte kommen. Frauen sind für uns wichtige Spielgäste und wir wollten mehr auf diese Zielgruppe eingehen“, führt Lewitanus weiter aus. Frauen würden sich oft untereinander beim Spielen wohler fühlen. Das Spielverhalten sei ein anderes als bei Männern. „Nach unseren Erfahrungen fühlen sich Frauen häufig durch das Spielverhalten der Männer gestört, das irgendwie intensiver ist.“ Und so war die Idee für eine Spielstätte ausschließlich für weibliche Gäste geboren. Bei der Gestaltung hat sich das Unternehmen an Frauen-Fitnessstudios orientiert. Lewitanus: „ Wir wollten natürlich unsere Unternehmensfarben Rot und Blau nicht vernachlässigen, dem Ganzen aber einen weiblicheren und weicheren Touch verleihen. Deshalb ist die Spielstätte in Lila gehalten.“ Und das betrifft nicht nur Teppichbäden und Wandfarbe, sondern auch Mobiliar, Dekoration und die Farbe auf den Toiletten. „Natürlich kann man nie den Geschmack von allen treffen“, sagt Lewitanus, „aber wir bekommen von den Frauen in der Regel ein positives Feedback. Sie fühlen sich bei uns ausgesprochen wohl.“ Die Spielstätte ist geschmackvoll mit Pflanzenelementen und Wanddeko so eingerichtet, dass sie nicht zu voll gestellt wirkt. Die drei Mitarbeiterinnen der Spielstätte sind auch Frauen. „Obwohl wir durchaus die Überlegung hatten, ob attraktive Männer im Service nicht eher dem Geschmack unserer Gäste entsprechen würden“, sagt Lewitanus mit einem Augenzwinkern. Die Gäste sind Frauen ab 25 Jahren aufwärts. Frauen aus den ostdeutschen Bundesländern kommen eigens zum Spielen hierher.

Bekenntnis zur Branche

Auch diese Spielhalle wird vom Ordnungsamt und der Polizei regelmäßig kontrolliert. Und die neuen Öffnungszeiten sind nicht gerade unternehmerfreundlich: „Wir haben von 11 bis 3 Uhr geäffnet. Wir mussten dadurch ein Drittel unserer Mitarbeiter entlassen. In der ersten Zeit wurde jede Nacht bei uns eingebrochen. Wir haben jetzt viel Geld in Alarmanlagen investiert.“ Trotz dieser Problematik sagt Lewitanus: „Unser Kerngeschäft sind Spielstätten, ich mächte nichts anderes machen. Wir sind für die Zukunft gut aufgestellt!“ Da es bei den geforderten Präventionsschulungen für die Spielstättenmitarbeiter erhebliche Wartezeiten gibt, hat sich das Unternehmen entschieden, interne Schulungen zum Thema Spielerschutz durchzuführen. Jede Filiale hat außerdem eine interne Sperrliste, in die sich Gäste freiwillig aufnehmen lassen und dann Hausverbot erteilt bekommen. „Pathologische Spieler anzusprechen ist ein schwieriges und sensibles Thema“, sagt Lewitanus, „auch hier haben wir schon einmal eine Frau nach Hause geschickt.“ Die Investition in eine Spielstätte nur für weibliche Gäste hat sich für das Unternehmen gelohnt: Auch der Umsatz gibt Lewitanus recht. „Obwohl es am Anfang natürlich nicht so leicht war, das Ganze publik zu machen. Wir haben in unseren anderen Spielstätten für das Frauencasino geworben, mehr als Mundpropaganda ist uns ja nicht erlaubt“, erklärt Lewitanus.

(Quelle: games & business, April 2014)