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Dietenheim

Hot Game

Im baden-württembergischen Dietenheim hat Ralf Wohlketzetter seine Spielstätte „Hot Game“ eröffnet. Der Quereinsteiger mag das Geschäft, leidet aber unter dem Image der Branche. Mit Offenheit tritt er der mangelnden Akteptanz entgegen.

 
 


An dem Zweckbau züngeln Flammen um die Eingangstür. Es ist das Emblem von „Hot Game“, der Spielstätte von Ralf Wohlketzetter. Die Spielstätte liegt im 1. Stock des Gebäudes. Eine wohnliche Atmosphäre empfängt den Besucher direkt beim Eintreten. Es ist ruhig, aber nicht still. Die zwölf Automaten stehen nicht im Raum verteilt, sondern bilden einen sehr lockeren Kreis im fensterlosen Bereich des Raumes. In der Nähe der Fenster stehen ein Stehtisch, ein Fun4Four und vier Internetplätze. „Das soll mehr als eine Spielbude sein. Hier soll man sich auch zwanglos aufhalten können.“


Wohlketzetter war bis zu seinem Einstieg in die Automatenbranche Industriemeister bei einer angesehenen Firma in der Region. Er hatte Spaß am Beruf und verdiente nicht schlecht. Und doch übernahm der heute 44-Jährige das Automatenunternehmen seines 2004 verstorbenen Onkels.


Wohlketzetter übernahm eine reine Gastro-Aufstellung. Aber schnell erkannte er, dass man
„auf zwei Füßen stehen muss“, und startete „Hot Game“. Er ging die Sache mit bescheidenen Ansprüchen an: „Ich wusste: Im ersten Jahr musst du Geld investieren.“ Aber schneller als erwartet konnte er auch Geld verdienen.


Einen Grund für den Erfolg sieht Wohlketzetter in seinem Mitarbeiterteam. „Ich hatte wirklich Glück, so schnell so gute und erfahrene Kräfte gefunden zu haben“, beteuert er. „Wir sind ein gutes Team“, bestätigt Marion Meintziger, die Führungskraft unter den Mitarbeitern. Deren Arbeit erschöpft sich nicht im Geldwechseln und Getränke ausgeben. „Die Bedienungen sollten auch ein bisschen Platzmanagement betreiben“, meint Wohlketzetter. Wenn zu viele Sitzplätze an Automaten von nicht spielenden Gästen belegt sind, sollten die Servicekräfte einschreiten und freundlich an die Theke oder andere Sitzgelegenheiten bitten. Diese Engagement erwartet Wohlketzetter von seinen Angestellten, dafür zahlt er auch ein besseres Gehalt als andere.


Die Zielgruppe von „Hot Game“ hat im letzten Jahr bereits gewechselt. Zuerst wollte Wohlketzetter junge Spieler ab 20 für seine Spielstätte begeistern. Daher das Konzept der Stehtische, an denen sich Freunde der Spieler aufhalten konnten. „Aber die jungen Gäste waren zu unruhig. Wenn einer gewann, rannten alle hin und machten Lärm.“ Das vertrieb die anderen Gäste. Also schwenkte Wohlketzetter um, verlangte Geld für die Getränke der Nichtspieler. Jetzt hat er ein anderes Publikum. „Was mich ehrlich überrascht: Tagsüber sitzen hier gute 70 Prozent Frauen“, sagt Wohlketzetter, „so im Alter zwischen 40 und 50.“ Vielleicht, weil sie sich sicherer fühlen als in anderen Spielstätten.


Einige Spielstätten in der Nachbarschaft wurden bereits überfallen. Das „Hot Game“ blieb bisher verschont. Wohlketzetter meint, besonders die Lage im 1. Stock wäre ein Problem für Verbrecher: „Die brauchen auf dem Weg nach draußen länger, und auf dem Weg hinein könnte man sie schon erkennen.“ Wohlketzetter arbeitet mit einer Schließgesellschaft zusammen und auch mit der Polizei hat er sich gut gestellt. „Ich bin aufs Revier und habe gefragt, ob sie nicht mal vorbeifahren könnten.“ Und tatsächlich kommt jetzt immer wieder mal eine Streife hoch in die Spielstätte und schaut nach dem Rechten. „Die verhalten sich unauffällig, lassen meine Gäste in Ruhe und sprechen nur mit den Servicekräften.“


Wohlketzetter will weitere Spielstätten eröffnen. „Wenn ich drei Spielstätten habe, werde ich auch ausbilden. So könnte ich mein Unternehmen für die Zukunft aufstellen und etwas für die Region tun“. Eine weitere Spielhalle hatte Wohlketzetter bereits geplant, sie wurde nicht genehmigt. Nun wird wohl ein Gaststätte aus den Räumen.


Die Ablehnung liegt wohl auch am zurzeit schlechten Image der Branche. Das nagt an Wohlketzetter. Er will als Automatenunternehmer von der Gesellschaft anerkannt sein. „Als Industriemeister war ich angesehen. Aber mein Selbstbewusstsein hat schon gelitten. Dabei braucht man sich als Automatenunternehmer nicht zu schämen.“ Und doch fühlt er sich auf Ämtern nicht gut behandelt. „Sobald die ‚Automaten‘ hören, schauen die schräg.“ Manche Kunden, erzählt Wohlketzetter, parken nicht auf den Parkplätzen der Spielstätte. „Die gehen zur Konkurrenz, wo sie unerkannt parken können. Die Heimlichtuerei stört mich wirklich.“

 


Zur Person Ralf Wohlketzetter

2004 übernahm der Automatenunternehmer als Quereinsteiger eine reine Gastronomie-Aufstellung. Zurzeit betreut er 42 Gastro-Standorte im Umkreis von 80 Kilometern. Im Februar 2011 eröffnete er seine Spielstätte „Hot Game“ mit drei Mitarbeiterinnen. Der 44-Jährige plant, weitere Spielstätten zu eröffnen.


Was taten Sie mit Ihrem ersten selbst verdienten Geld?


Mit meinem ersten Geld aus der Selbständigkeit bin ich ein Wochenende mit meiner Frau verreist. Wie schalten Sie am besten ab? Beim Spielen mit meinen Kindern.


Was möchten Sie in Ihrem Leben unbedingt noch machen?


Ich möchte einmal drei Wochen am Stück Urlaub machen. Das hat bisher noch nie geklappt, aber ich werde das bald tun!


(Stand Oktober 2012)