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Bochumer Gespräche

Zukunft des Online-Glücksspiels

Aus juristischer, volkswirtschaftlicher, sozial- und suchtwissenschaftlicher Perspektive betrachteten Experten beim "Bochumer Gespräch zu Glücksspiel und Gesellschaft" die Zukunft des Online-Glücksspiels.

Etwa 90 Teilnehmer kamen am 21. und 22. November nach Bochum, um über verschiedene Aspekte des Online-Glücksspiels zu diskutieren. Das Institut für Glücksspiel und Gesellschaft (GLÜG) hat in Zusammenarbeit mit dem Center for Advanced Internet Studies die Jahrestagung organisiert.

Smarte Regulierung als dritter Weg

Prof. Dr. Bernd J. Hartmann von der Universität Osnabrück sprach über Kohärenz und Kanalisierung in Zeiten der Digitalisierung. Die Zeichen stünden im Moment auf einer beschränkten Zulassung des Online-Spiels, so der Jurist. Eine Regulierung sei auch dringend notwendig, denn der Markt illegaler Glücksspiele im Internet wachse jährlich um 20 Prozent. Der nichtregulierte Markt zeige sich außerdem besonders verlockend für vulnerable Spieler.

"Wir brauchen ein gleichwertiges, legales Gegenangebot zu illegalen Spielangeboten. Das legale Spiel muss also konkurrenzfähig sein zum illegalen", so Hartmann, sonst habe es keinerlei "Marktchancen". Er nennt dies den dritten Weg einer smarten Regulierung zwischen "harter" und "weicher" Regulierung: "Das Online-Spiel sollte so restriktiv wie nötig reguliert werden, um pathologische Spieler zu schützen, und gleichzeitig so attraktiv wie möglich, um den objektiven Durchschnittsspieler anzusprechen, so dass der Spieltrieb in geschütztem Rahmen kanalisiert werden kann." Für den Gesetzgeber bedeute dies: online ein gleichwertiges legales Gegenangebot zum illegalen Spiel zu schaffen, um dem Kanalisierungsgebot und der Kohärenz nachzukommen. Nur im regulierten Umfeld würden Spieler-, Verbraucher- und Jugendschutz gewährleistet.

Schweiz: Spielbanken-Lizenz für das Online-Glücksspiel

Einen Blick über die Grenzen hinaus warf Prof. Dr. Suzanne Lischer von der Hochschule Luzern, die den Präventionsbegriff in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeit stellt. Lischer hat fünf Schweizer Spielbanken bei der Umsetzung des Sozialkonzeptes und den Schulungen der Mitarbeiter unterstützt. Sie sprach in Bochum über ein Vorhersage-Modell zur Früherkennung von Risikoverhalten bei Spielerinnen und Spielern im Online-Glücksspiel.

In der Schweiz trat im Januar 2019 das Bundesgesetz über Geldspiele (BGS) in Kraft, das den regulatorischen Rahmen für die in der Schweiz angebotenen Glücksspiele – Spielbankenspiele, Lotterien und Sportwetten – vorgibt; das BGS erlaubt die bisher verbotene Durchführung von Online-Spielbankenspielen. Es gibt 21 Spielbanken in der Schweiz – nur einheimische Spielbanken dürfen Online-Spiele anbieten. 2019 haben 6 Spielbanken eine Zusage bekommen, die Konzession haben sie für 20 Jahre erhalten. "Die Spielbanken blicken in Bezug auf die Früherkennung von Personen mit problematischem Spielverhalten im terrestrischen Glücksspielbereich auf eine bald 20-jährige Expertise zurück", betont Lischer. Im Zuge der Öffnung des Online-Glücksspielmarktes müssten sensitive Vorhersage-Modelle entwickelt werden, um Spieler mit risikohaftem Spielverhalten frühzeitig zu erkennen. Ein Spieler mit risikoreichem Spielverhalten müsse vom Online-Glücksspielanbieter kontaktiert werden – das sei eine anspruchsvolle Aufgabe und setze voraus, dass die Mitarbeitenden geschult sind.

Lesen Sie einen ausführlichen Bericht zum Bochumer Gespräch in der Dezember-Ausgabe von games & business. Noch kein Abonnent? Hier geht es zum Probe-Abo.

Foto: Stellten sich nach den Vorträgen der Diskussion: Prof. Hartmann (l.) und Prof. Lischer (r.) mit Prof. Dr. Sebastian Unger (GLÜG).

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