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Stefan Dreizehnter

Starke Nerven

Der deutsche Automatenunternehmer, den ich auf dem Rückweg von der ICE in London treffe, zieht Messe­bilanz: "Es war wie immer. Ich komme alle drei Jahre hierher. Ich schaue mir an, was ich zu Hause alles nicht darf. ­Danach dauert es jedesmal drei Jahre, bis ich deswegen nicht mehr deprimiert bin. Dann kann ich wieder vorbeikommen."

Gut möglich, dass es bis zum nächsten Besuch sogar fünf Jahre dauert – dank unserer Regeln. Denn der Frust wächst. In Deutschland werden wegen Glücksspielstaatsvertrag und Landesspielhallengesetzen die Hürden immer höher, ein legales Spiel anzubieten. Die neue Spielverordnung macht es für die Spielgäste immer unkomfortabler, ein legales Spiel zu spielen. Der Gesetzgeber tut im Moment wirklich alles dafür, den Spaß am Spiel rundherum zu verderben.

Da fällt es nicht leicht, in London zu beobachten, wie ein wahres Festival dessen abgefackelt wird, was auf dem internationalen Gaming-Markt möglich ist. Um das ohne Depressionen auszuhalten, dazu gehört schon eine starke professionelle Neugierde. Was besonders deprimiert: Es ist ja nicht nur die Gaming-Gegenwart, die man dort sieht und der es in Deutschland ungeheuer schwer gemacht wird. Natürlich gibt es mit Online-Casinos, mobile Gaming und eSportsbetting einen inhaltlichen, technischen und konzeptionellen Generationswechsel, der in Deutschland aber keine legale Chance hat. Gesetzestreue Unternehmer haben deswegen auch nicht die Möglichkeit, sich darauf einzurichten – wohl wissend, dass dieser Wandel irgendwann über sie hereinbrechen wird – egal wie.

Die ICE zeigt daher auch, wie provinziell-kurzsichtig die deutsche Regulierungspolitik ist, die tatsächlich glaubt, an Grenzen von Bundesländern würde die Welt aufhören. So arg viel Hoffnung, dass sich das bald grundlegend ändert, kann man leider nicht haben. Wer die Zukunft auf der ICE trotzdem sehen will, der wird deswegen auch künftig vor allem eines brauchen: starke Nerven.

Stefan Dreizehnter, Chefredakteur games & business 

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