Dachverband

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Stefan Dreizehnter

Wumms aus Leipzig

Mit lautem Knall schlug Andreas Engler die Tür zu einer Diskussion zu, die zumindest öffentlich noch gar nicht richtig angefangen hatte. Eine Auflösung des Forums und ein Zusammengehen mit dem BA – nicht mit ihm. Nicht unter seinem Vorsitz. Und offenbar auch nicht mit den Unternehmerinnen und Unternehmern des Forums, wie aus dem Beifall für Englers klare Ansage auf der Mitgliederversammlung in Leipzig zu erkennen war. Das war nicht zu überhören.

Mit dem Wumms aus Leipzig ist eine Debatte über Status und Zukunft der Verbändelandschaft öffentlich geworden, die gerade wieder in jüngster Zeit zu seismographischen Ausschlägen unterhalb der Oberfläche geführt hatte. Offenbar wurde jetzt aber der Druck zu groß. Der Vulkan ist ausgebrochen, die Brocken fliegen, heiße Lava fließt, und es gibt jede Menge Qualm.

Was wird sichtbar, wenn der sich verzogen hat? Es wird der Blick frei auf eine Verbändelandschaft, die in unserer Branche natürlich sehr viel differenzierter ist – man kann auch sagen größer und unübersichtlicher –, als anderswo. Das zu ändern, dazu hat es schon viele Überlegungen gegeben – auch ganz unabhängig von finanziellen Zwängen, die zurzeit offenbar herrschen. Auflösungen, Zusammenlegungen, gemeinsame Geschäftsstellen – über alles wurde im Laufe der Jahre schon nachgedacht. Zaghafte Versuche gibt es ja. Aber auch im großen Rahmen und am grünen Tisch lässt sich wirklich ziemlich viel denken. Ganze Bundesländer könnten eigentlich aus Effektivitätsgründen fusionieren – theoretisch.

Im echten Leben erweist sich das aber alles als sehr viel schwieriger, als es in der Theorie erscheint. So wie das im Großen ist, ist es im Kleinen nicht anders. Diese Erfahrung hat die Branche schon häufiger gemacht. Wohl auch deswegen wurde an dem Thema in ruhigen Zeiten nicht gerührt. Warum den Frieden stören, wenn es nicht nötig ist. Das wird aber umso problematischer, je größer der (finanzielle) Druck im Kessel ist. Da ist der Punkt dann schnell überschritten, an dem eine nüchterne und unaufgeregte Debatte über Status und Zukunft der Verbändelandschaft möglich ist.

Das Problem ist nicht trivial. Die Branche braucht angesichts kommender Veränderungen in Politik und Markt mehr denn je eine gute Interessenvertretung. Da ist es nicht gut, wenn man sich selbst zerlegt. Es ist aber auch nicht gut, wenn man wesentliche und qualifizierte Kräfte in die Opposition treibt. Der Weg aus dem Dilemma führt allerdings nicht über Friede, Freude, Eierkuchen. Und auch nicht über Hinterzimmer, falls man das versucht haben sollte. Jetzt nicht mehr. Dafür war der Wumms aus Leipzig zu laut, den Andreas Engler offensichtlich ganz bewusst und öffentlich verursacht hat. Da gibt es jetzt kein Zurück mehr. Wenn es bis jetzt keine öffentliche Debatte gab – jetzt ist sie da.

Damit erhält die Debatte über Status und Zukunft der Verbändelandschaft eine ganz eigene Dynamik. Das kann auch konstruktiv sein. Das muss man aber wollen.

In diesem Sinne

Stefan Dreizehnter

Chefredakteur games & business
[email protected]

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