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Stefan Dreizehnter

Untragbare Zumutung

Die Einführung der bundesweiten, spielformübergreifenden Spielersperre rumpelt sich gerade zurecht. So ganz hatte man die Dimension der Aufgabe wohl nicht richtig eingeschätzt. Aber mit ein bisschen gutem Willen von allen Seiten wird das zu bewältigten sein.

Ob guter Wille alleine reicht, um ein eng damit zusammenhängendes Thema sowohl praktisch als auch juristisch zu bewältigen, darf man bezweifeln. Mit dem Sperrsystem kommt auch die sogenannte Fremdsperre auf die Unternehmen der Branche zu. Und was das bedeutet, ist noch nicht einmal im Ansatz ausgeleuchtet.

Wenn ein Spielgast sich selbst vom Spiel ausschließen lässt, dann ist das die bewusste Entscheidung eines mündigen Bürgers. Darüber gibt es keine Diskussionen. Diese Diskussionen beginnen aber, wenn Dritte an ein Unternehmen herantreten, um einen Menschen für das Spiel sperren zu lassen. Dabei geht es nicht um Zweifel am guten Willen, den berechtigten Gründen oder vielleicht auch am Leidensdruck derjenigen, die das beantragen. Es geht auch darum, dass ein solcher Schritt ein ganz massiver Eingriff in das Persönlichkeitsrecht desjenigen ist, der gesperrt werden soll.

RA Frank Repschläger vergleicht in dieser Ausgabe diesen Eingriff mit zivilrechtlichen Maßnahmen "wenn eine Person aufgrund vollständiger oder teilweiser Geschäftsunfähigkeit unter Betreuung gestellt wird". Das ist ein tiefgreifender juristischer Akt. Das dürfen nur Richter nach eingehender Prüfung des Falls.

Im Falle einer Fremdsperre kommt diese Aufgabe auf Unternehmen zu: Annahme des Antrags, Prüfung des Falls, Anhörung des Betroffenen, Entscheidung über die Verhängung einer Sperre oder deren Ablehnung. Kein Scherz. Das ist geltendes Recht. Wer mit einem solchen Fall konfrontiert wird, muss sich damit so auseinandersetzen. Sonst drohen Haftungsrisiken.

Aber das ändert nichts daran, dass dieses Verfahren eine untragbare Zumutung für alle Beteiligten ist. Die Branche muss alle Hebel in Bewegung setzen, um für ihre Unternehmen, ihre Kunden und den Spielerschutz zu besseren Lösungen zu kommen

Stefan Dreizehnter

Chefredakteur games & business
[email protected]

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