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Stefan Dreizehnter

Spieler müssen mitziehen

"The customers will not follow." Das war sehr oft die Reaktion von internationalen Branchenprofis, wenn sie auf der London-Messe von den Detailregeln für das Online-Spiel im Entwurf für einen "Staatsvertrag zur Neuregelung des Glücksspielwesens" in Deutschland hörten: "Die Spieler machen das nicht mit."

Die Online-Gaming-Spezialisten interessierten sich nur mäßig für Kohärenz und Datenschutz. Selbst der große technische Aufwand, der für das Online-Spiel in Deutschland verlangt wird, war nicht das große Thema. Dafür wunderten sie sich über Spielpausen, erzwungene Time-Outs beim Plattformwechsel, niedrige Einsatzhöhen, Einsatzbegrenzungen pro Monat und was man sich sonst noch hat einfallen lassen für den Spielerschutz. Die Prognose: Das kennen die Spieler nicht. Das akzeptieren die Spieler nicht.

Die zu erwartende Folge: Konfrontiert mit solchen Hürden suchen sich Spieler andere, und dann meistens illegale Anbieter, bei denen die Regeln nicht so streng, das Spielen nicht so unbequem und das Erlebnis nicht so eingeschränkt ist. Das ist keine bloße Vermutung. Die Automatenwirtschaft hat diese Erfahrung ja gerade bei der Umstellung auf die neue Spielverordnung gemacht. Bis zu 40 Prozent der Spieler spielten plötzlich woanders, als es mit TR 5 ungemütlich wurde.

Für den Spielerschutz ist das fatal: Werden die Regeln zu eng und das Spiel zu unattraktiv, gelingt die Kanalisierung des Spiels in legale, geschützte Bahnen nicht mehr. Regulierung muss eben auch vom Spielgast her gedacht werden, wenn sie ihr Ziel erreichen soll. Und dieser Spielgast will ein attraktives, faires und sicheres Spiel, aber keine unnötigen Drangsalierungen und Bevormundungen. Regulierungs-Veteran Hans-Jörn Arp, MdL aus Schleswig-Holstein, sagt: "Macht der Spieler nicht mit, ist alles umsonst." Wenn die Spielverordnung evaluiert wird, sollte man an den Satz erinnern.

Stefan Dreizehnter, Chefredakteur games & business

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