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Manfred Schlösser

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Was gute und was schlechte Zeiten sind, darüber gehen die Meinungen nicht selten auseinander. Klickt man sich heute durch die sogenannten sozialen Medien, dann könnte man denken, man lebe in Bangladesch, Malawi oder Burundi – in den ärmsten Ländern der Welt also. Unsere Politiker sind, so liest man dort häufig, auf jeden Fall dämlich, meist korrupt, überbezahlt und eher des Volkes Feind als dessen Freund. Sozial ist an diesen Medien wenig bis nichts. Ja, sie verbinden Menschen und Meinungen, sie bieten Raum für kreative Ideen und Bilder. So weit, so gut. Aber sie selektieren nicht, sie prüfen nicht, sie wägen nicht ab. Zitate, ob richtig oder falsch, finden schnell viel mehr Likes als differenzierte Auseinandersetzungen mit schwierigen Themen. Likes sind die neue Währung.

Das Gemisch aus genereller Unzufriedenheit, tatsächlichen Mängeln im politischen Wirken und apokalyptischen Visionen lässt die Welt für viele düster aussehen. Mir sind noch nie so viele Menschen mit schlechter Laune und depressiven Anwandlungen begegnet wie heute. Woran liegt es? Warum sind immer mehr Menschen mit Politik und Gesellschaft unzufrieden, obwohl es uns besser geht denn je? Ein unerklärbares Phänomen lässt die Zahl der Unzufriedenen seit 10 Jahren um rund 10 Prozent pro Jahr wachsen, sagen Meinungsforscher.

Seit fast so langer Zeit ist auch die Welt der Automatenwirtschaft nicht mehr in Ordnung. Nach guten und expansiven Jahren ist die Gegenwart von Rückbau bestimmt. Rückbau tut besonders Unternehmern weh. Rückbau ist schmerzhafter als Aufbau, denn bei aller Arbeit und Risikobereitschaft hatte Aufbau immer Ziele vor Augen. Motivation mit Rückenwind. Der Rückbau scheint dagegen fast bodenlos. Da ist Unzufriedenheit mehr als begründet. Wenn Unternehmen ins Wanken geraten, weil der Staat sich dieser lästigen und besser agierenden Konkurrenz des gewerblichen Spiels entledigen will, dann schleicht sich die Gewissheit ein, dass man am kürzeren Hebel sitzt.

Aber, wer die Flinte ins Korn wirft, der hat jetzt schon verloren. Man muss die Zeichen der Zeit erkennen und seine Unternehmenspolitik danach ausrichten. Edzard Reuter wird das Zitat zugeschrieben: "Unternehmen werden in guten Zeiten ruiniert". Will sagen, wer in guten Zeiten sein Unternehmen nicht den Spielregeln der Zukunft – wer immer sie in die Welt gesetzt hat – anpasst und richtig investiert, der hat schon verloren.

Die Automatenwirtschaft kämpft für ihre Rechte mit aller Kraft und in guter Formation. Es gibt auch erste Anzeichen, dass die Politik – oder sagen wir besser, einige Akteure in der Politik – erkannt haben, dass sie mit dem Vernichtungsfeldzug weit über das Ziel hinaus geschossen sind. Da kann man nur hoffen, dass die Einsicht sich schnell verbreitet. Davon abgesehen müssen aber auch die Unternehmen der Branche sich auf die Zukunft vorbereiten. Das Spiel von gestern wird allenfalls in Teilen das Spiel von morgen sein. Die Industrie der Branche arbeitet mit Hochdruck an neuen Konzepten. An neuen Spielen und Spieleformen sollen möglichst viele partizipieren – wie am Automatenspiel.

Lassen wir uns also nicht von der schlechten Laune um uns herum anstecken. Wir müssen Zukunft machen, auch wir als Verlag, der schon lange nicht mehr nur Verlag ist. Wer am Gestern festhält, wird das Morgen verpassen. Ich bin guter Dinge, dass diese Branche das in weiten Teilen erkannt hat und der alten Seglerparole folgt: "Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel richtig setzen."

Manfred Schlösser, Verleger games & business

schloesser@gamesundbusiness.de

 

 

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