Dachverband

Anzeige


Kontroverse

Online-Casinos: Werbung boomt

Laut Nielsen Company stieg das Brutto-Volumen an geschalteter TV-Glücksspielwerbung in den ersten fünf Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 58,5 Prozent.

Die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichten über stark gestiegene Werbeaktivitäten der in Deutschland (mit Ausnahme von Schleswig-Holstein) immer noch verbotenen Online-Casinos. Der Artikel "Gefährlicher Boom der Online-Casinos" zitiert aus Mediendaten des Marktforschungsunternehmens Nielsen Company. Im März und April, den Monaten mit den stärksten Einschränkungen, hätte sich das Brutto-Volumen an geschalteter TV-Glücksspielwerbung sogar verdoppelt.

Das gestiegene Werbevolumen sei "an Dreistigkeit kaum zu überbieten", wird DAW-Vorstandssprecher Georg Stecker in den Medien zitiert. Die Zuwächse würden zeigen, dass hier nicht nur um Spieler aus Schleswig-Holstein geworben werde. "Und im Rest der Republik ist Online-Glücksspiel verboten. So ist die Rechtslage. Und die muss von den Landesmedienanstalten und den Glücksspielaufsichten durchgesetzt werden." Er habe nichts gegen Online-Angebote, solange sie sich an den rechtlichen Rahmen hielten und Jugend- und Spielerschutz gewährleisteten. "Ein richtiger Schritt wäre es, die Zahlungsströme konsequent zu unterbinden", sagte Stecker den Funke-Zeitungen.

Ein Vorbild zum entschlossenen Vorgehen gegen Werbung illegaler Online-Angebote sieht Stecker im Saarland. Die dortige Landesmedienanstalt verfügte ein Werbeverbot gegen zwei Online-Casinos mit Lizenz in Schleswig-Holstein. Zustimmung gibt es von der Drogenbeauftragten Daniela Ludwig. "Die Saarländer haben einfach mal genau das Richtige zur richtigen Zeit gemacht: Deckel drauf und Sendepause!" Auch die Drogenbeauftragte will härter gegen Werbung von Online-Casinos und Sportwetten vorgehen.

Dirk Quermann, Präsident des Deutschen Online Casinoverbandes (DOCV), lehnt ein allgemeines Werbeverbot ab. Eine erfolgreiche Kanalisierung könne es nur geben, wenn lizenzierte Anbieter in einem ausreichenden Umfang auf ihr Produkt aufmerksam machen könnten, so Quermann. Die im DOCV organisierten Anbieter hätten ihre Werbung reduziert oder freiwillig eingestellt. Leider sorgten jedoch einige wenige, nicht im DOCV organisierte Unternehmen für einen gegenteiligen Eindruck.

"Da kommt schon Wut hoch, wenn ich so etwas sehe", zitiert der Bericht der Funke Mediengruppe Andreas Wardemann, der Spielstätten in Nordrhein-Westfalen und Sachsen betreibt. In Leipzig musste er eine Spielhalle schließen, die nur 100 Meter von einer Grundschule entfernt lag. Wardemann: "Kinder sollen nicht spielsüchtig werden, indem sie an einer Spielhalle vorbeigehen. Aber im Fernsehen werben Online-Casinos mit Stars und teils sehr kindlich für sich. Das passt nicht zusammen."

Bild: © WavebreakmediaMicro – stock.adobe.com

Zurück


Anzeige