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Manfred Schlösser

Nur Lust macht Umsatz

In den vergangenen drei Monaten habe ich kein Geschäft besucht, um mir in irgendeiner Form etwas Gutes zu tun. Eine schöne Hose zu kaufen, vielleicht auch ein Hemd, oder gar ein paar neue Schuhe. Erst waren die Läden zu und dann kam die Maske. Wer will schon damit durch ein Kaufhaus wandeln und sich zwischen Boss, Brax oder Marc O'Polo entscheiden? Wenn man hinschaut, nicht viele. Ja, man kann damit leben. Ja, es mag sinnvoll sein, was aber nicht nur ich bezweifle. Ja, als Übergang vielleicht erklärbar, weil man sonst wieder in alte Verhaltensmuster verfällt und vergisst, dass das Virus immer noch da ist. Ja, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Erklärungen gibt's viele. Lust wenig.

Erst recht nicht, wenn man mit Maske vor einem Geld-Gewinnspielgerät sitzen muss. Auch da treibt der Föderalismus seine Blüten. Hier ja, da nein. Spricht man mit Spielhallenbetreibern, dann ist es besonders die Maskenpflicht vor dem Gerät, die bei vielen Gästen auf Ablehnung stößt, manche erst gar nicht zurückkommen lässt.

Dann ist es wieder da, das Thema der Verhältnismäßigkeit. Mit Recht. In jedem Restaurant sitzt man enger als in jeder Spielhalle. Maske nein, wäre ja auch etwas kurios. Bei uns in der Firma, wie fast überall, Abstand ja, Maske nein. Fast ein Vierteljahr (wieder je nach Land unterschiedlich) musste die Branche auf jede Einnahme verzichten. Nochmal: für die Volksgesundheit, ohne jedes eigene Verschulden. Könnte man ihr da nicht heute so weit entgegenkommen wir nur möglich? Wer glaubt ernsthaft, dass es eine Ansteckungsgefahr gibt, wenn man über Meter vom nächsten Spielgast sitzt?

Verschärft wird die Lust-Vernichtung allerdings von einigen Betreibern selbst. Sie scheinen so verunsichert zu sein, dass sie in den Hygiene-Maßnahmen übers Ziel hinausschießen. Ich habe das selbst gesehen: Es gibt Spielstätten, die könnte man mit Krankenhäusern verwechseln, oder mit Baustellen. Rot-Weiß-Bänder sperren Bereiche ab, Verbotstafeln wo man hinschaut, Desinfektionsflaschen, die einem noch nachgetragen werden, sollte man sie ignorieren. Servicekräfte mit Masken von der Intensivstation. So wird das nicht funktionieren. Lust kommt da gar nicht auf. Das kann man auch hübscher machen. Auch dafür gibt es tolle Beispiele, Gott sei Dank ist das die Mehrheit.

Ja, man könnte sich über Vieles aufregen: Dass man in Meckpomms' Spielhallen erst sechs Wochen nach dem Saarland öffnet. Reine Willkür in einem Land fast ohne Infektionen. Man könnte an die Decke gehen, wenn man eine Nachricht aus Stade liest: In einer Petition hatten sich dort Spielhallenbetreiber gegen eine Erhöhung der Vergnügungssteuer um fünf Prozent gewehrt. Das sei gerade in Corona-Zeiten sehr schmerzhaft. Die Mehrheit des Rates hat das abgeschmettert und der Grünen-Ratsherr Elfring hat es damit begründet: "Das ist politisch auch so gewollt. Schließlich handelt es sich hierbei um ein umstrittenes Gewerbe." Ein Gewerbe, dem man über Monate den wirtschaftlichen Boden entzogen hatte - von Insolvenzen bedroht. Anstand, ein Fremdwort?

Beispiele dieser Art gibt es sicher nicht wenige. Wir sollten uns aber gegenüber der Politik darauf konzentrieren, unseren Spielgästen wieder mehr Lust am Spiel zu erkämpfen und dafür muss die Maskenpflicht vor dem Gerät vom Tisch – verhältnismäßig ist sie eh nicht, diese Lust-Bremse.

Manfred Schlösser

Verleger games & business
[email protected]

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