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Manfred Schlösser

Nur ein Schritt in die richtige Richtung

Geschlagene acht Jahre hat es gedauert, wenn es so kommen sollte, dass im Frühjahr 2020 Lizenzen an private Sportwettanbieter vergeben werden. "Shame on you" würde die digitale Avantgarde des Silicon Valleys der deutschen Politik in den Ländern zurufen. "Shame on you", denn der Umgang mit dem digitalen Spiel ist nur ein Spiegelbild des Schneckentempos, das Politik beim Thema Digitalisierung vorlegt. Auch die Automatenwirtschaft hat schon 2012 gewusst, dass das Thema Sportwette im Besonderen und das Thema "Online Gaming" generell in den Ländern in die völlig falsche Richtung läuft. Die geplante Vergabe an nur 20 ausgesuchte Anbieter von Sportwetten ging ja dann auch erwartungsgemäß kräftig in die Hose. Und nochmal hat es Jahre gedauert, bis man sich auf einen Schritt in die richtige Richtung einigen konnte. Wie gesagt: auf einen Schritt, nicht auf den großen Wurf, der uns wirklich nach vorne gebracht hätte.

Um große Würfe vollbringen zu können, müssten sich weite Kreise der Politik tief ins Thema Digitalisierung hineinstürzen und sich nicht nur Sonntagsreden schreiben lassen. Ist es nicht eine Schande, dass hierzulande in vielen Bereichen eine leistungsfähige, digitale Infrastruktur fehlt? Nicht nur im Gesundheitswesen sprechen Insider von der Digitalisierungs-Wüste Deutschland. Technisch und personell sind wir vielen europäischen Ländern gegenüber Schaltjahre hinterher. Inhaber von Digital-Agenturen reisen inzwischen selbst nach Rumänien, um Nachwuchskräfte zu finden, weil in Deutschland nicht genügend ausgebildet wurden und werden – "Shame on you".

Beim Thema Online Gaming gar stehen in der Politik alle Ohren auf Durchzug. Man scheint es mit den berühmten drei Affen zu halten, die sich Ohren, Augen und Mund zuhalten: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Ob das aber eine Politik ist, die das Land reif für die Zukunft macht, darf mehr als bezweifelt werden. Denn in der Einstellung eines Landes zum kreativen Spiel spiegelt sich auch die Einstellung zum technischen Fortschritt wider. Ja, Deutschland ist in vielen Bereichen ganz vorne dabei. Nicht aber in der Welt der Bits und Bytes. Erinnern wir uns: Schon in den 80er Jahren haben Amerikaner und Japaner die Welt der Spiele dominiert. Letztlich ist die Szene im Silicon Valley daraus entstanden. In Deutschland hat man mit Verboten und Regulierungen geantwortet – das Ergebnis kennt man.

Und wieder werden Chancen vergeben und wieder entsteht anderswo aus Spielbegeisterung Euphorie für Digitales. Und wieder werden dort junge Menschen vom Spiel zur Informatik motiviert. Aber das sollten wir der Politik nicht durchgehen lassen. Wir alle müssen diesbezüglich Druck machen – jeder einzelne, die Verbände, die Unternehmen. Themen wie "Flexible gaming solutions", "Server-Based Gaming" müssen auch bei uns diskutiert, integriert und als Technologie der Zukunft gesehen werden – denn sie werden kommen. Vom Aufstellunternehmer bis zur Industrie werden alle davon profitieren. Letztlich auch die Politik, wenn Deutschland dadurch offener für digitale Innovationen wird und immer mehr Menschen aus dem Spiel heraus ihren Spaß an digitalen Herausforderungen finden. Wir haben das schon so oft verschlafen, damit sollte jetzt Schluss sein.

Manfred Schlösser, Verleger games & business
schloesser@gamesundbusiness.de

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