Dachverband

Anzeige


Stefan Dreizehnter

Nicht in den April schicken lassen

Die schlechten Scherze zum 1. April fallen dieses Jahr aus. So dachten wir jedenfalls. Aber leider falsch gedacht. So hat zum 1. April das Bezirksamt Mitte in Berlin die Auswahl von Spielhallen-Standorten per Losverfahren durchgeführt. Über unternehmerische Existenzen und Arbeitsplätze wurde per Lostrommel entschieden. Das Ganze wurde in Corona-Zeiten durchgezogen, während sowieso viele um ihre Existenz zittern. Und zum Hintergrund dieses behördlichen Trauerspiels gehört noch, dass auch nach 3,5 Jahren in Berlin fast zwei Drittel der Konzessionsanträge für Spielhallen immer noch nicht bearbeitet sind und in der Stadt die illegalen Betriebe ungeniert dominieren. Kann darüber jemand lachen?

Das Lachen ist auch der Sportwettbranche vergangen. Die hatte sich darüber gefreut, dass es endlich ein Lizenzierungsverfahren gibt – trotz aller Haken und Ösen. Das Verwaltungsgericht Darmstadt hat aufgrund einer Klage das Verfahren jetzt bis auf Weiteres ausgesetzt, weil es an Transparenz mangele und nicht diskriminierungsfrei sei. Mit der Materie befasste Juristen hatten früh vor genau diesen Mängeln gewarnt. Es ist also nicht so, dass es keine Expertise zur Verhinderung dieses erneuten Desasters gegeben hätte. Datum der Geschichte – kein schlechter Scherz: natürlich der 1. April.

Auch wenn scheinbar derzeit alles stillsteht – das täuscht. Egal ob Losverfahren in Berlin, Lizenzdesaster bei den Sportwetten oder die beginnende Umsetzung des Glücksspielstaatsvertrags in Länderrecht – es gibt jede Menge politische und juristische Bewegung, auf die man sehr genau achten und sofort reagieren muss. Die Branche darf sich nicht in den April schicken lassen.

Stefan Dreizehnter, Chefredakteur games & business

dreizehnter@gamesundbusiness.de
facebook.com/gamesundbusiness

Zurück


Anzeige