Dachverband

Anzeige


Stefan Dreizehnter

Mindesthaltbarkeit abgelaufen

Die Basis der Landesglücksspielgesetze, um deren Umsetzung jetzt gestritten wird, geht auf 2012 zurück. Man kann davon ausgehen, dass die eigentlichen Überlegungen dafür nochmal mindestens zwei bis drei Jahre älter sind. Das alles ist also deutlich älter als zehn Jahre. Die Smartphones steckten in den Kinderschuhen und haben inzwischen die Welt verändert. Auch die Glücksspielwelt. Alleine schon deswegen ist die Frage mehr als erlaubt, ob das, was da jetzt umgesetzt werden soll, überhaupt noch zeitgemäß ist. Oder hat es sein Mindesthaltbarkeitsdatum nicht schon längst überschritten?

Die große Chance der Überprüfung ergibt sich jetzt. Bei den Abstandsregeln ist das dringend nötig. Denn noch immer gibt es in fast jedem Gemeinderat mindestens einen Hobby-Spielsuchtexperten, der hartnäckig die falsche These vertritt, dass mit Abständen von Spielhalle zu Spielhalle und zu Jugendeinrichtungen die Spielsucht eingedämmt werden würde. Dafür gab es aber schon 2012 keinen einzigen wissenschaftlichen Beleg. Das geben die Behörden in den Ländern inzwischen sogar offen zu. Und in der Zwischenzeit sind auch keine Belege dazugekommen, sagen die Wissenschaftler einheitlich. Es gab und gibt für Abstände keinen Grund. Zumindest keinen gesundheitspolitischen.

Wer noch immer mit Gesundheitspolitik argumentiert, ist wissenschaftlich absolut nicht auf der Höhe – höflich ausgedrückt. Oder man verschleiert damit bewusst Vorurteile, auf deren unhaltbarer Grundlage ein legales und zur Kanalisierung des Spieltriebs systemrelevantes Gewerbe unter Vorspiegelung falscher Tatsachen einfach vertrieben werden soll. Zynisch wird die Geschichte, wenn Unternehmen jetzt vorwurfsvoll gefragt werden, warum sie denn ihren Standort nicht verlegt hätten, um den Abstandsregeln aus dem Weg zu gehen. Das gaukelt vor: Die gleichen Politiker, die Spielhallen von ihrem traditionellen Standort vertreiben wollen, rollen an einem anderen Standort dann genehmigungsmäßig den roten Teppich aus? Vorausgesetzt, man hat diesen Ort aufgrund der Abstandsregeln überhaupt gefunden. Ganz ehrlich: Auf den Arm nehmen kann man sich doch eigentlich viel besser selbst – oder?

Seriös ist jedenfalls anders. Seriös ist, die über zehn Jahre alten Regeln auf den Prüfstand der Aktualität zu stellen. Und die sieht so aus: Die Entwicklung der Automatenbranche ist rückläufig. 20 Prozent wurden aufgrund der Gesetze ohnehin schon verloren. Eine neue Spielverordnung hat das Geldspiel deutlich unattraktiver gemacht und ermöglicht nur noch Spiel an einem Automaten. Aus der Gastronomie musste das dritte Gerät verschwinden. Und jetzt kommt die Einbindung in eine bundesweite Spielersperrdatei dazu, was die elektronische Registrierung mit Ausweiskontrolle jedes Spielgastes in Spielhalle oder Gastronomie vor jeder Spielaufnahme nötig macht.

Wo so viel Hürden vor dem Spiel aufgebaut sind, wird nun wirklich kein mehr Abstand gebraucht. Denn dieser Abstand simuliert sowieso nur Spielerschutz, kostet unternehmerische Existenzen, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen – und verwehrt den Menschen übrigens auch den Spielspaß. Jetzt ist die richtige Zeit, die ollen Kamellen und alten Mythen des angeblichen Spielerschutzes zu entsorgen. Sie haben ihr Mindesthaltbarkeitsdatum längst überschritten.

In diesem Sinne

Ihr Stefan Dreizehnter
Chefredakteur games & business
[email protected]

Zurück


Anzeige