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Manfred Schlösser

Mehr Zentralismus wagen

Deutschland hat dem Föderalismus viel zu verdanken. Um dies zu ermessen, muss man sich nur mal bei unseren europäischen Partner im Westen, bei den Franzosen, umsehen. Ganze Regionen, die abgehängt sind, Dörfer und kleine Städte, in denen kaum noch jemand wohnt. Autobahnen wie Züge streben alle auf schnellen Wegen nach Paris und binden allenfalls die wenigen anderen Großstädte ein. Bei uns wachsen an jeder Autobahnausfahrt Gewerbegebiete aus dem Boden, in Frankreich allenfalls an den Bezahlstationen, sonst gibt es keine Ausfahrten. Gewerbegebiete, die die Arbeit zu den Menschen bringen? Bei unseren Nachbarn Fehlanzeige.

Nur zwei Beispiele für die Vorteile unserer föderalen Struktur, die ja ihre historischen Wurzeln hat. Aber hier und da ist es auch genug. Wir sollten endlich mehr Zentralismus wagen und nicht immer gleich mit dem Grundgesetz winken, wenn der Bund mal einheitliche Strukturen schaffen will. Schließlich müssen wir alle in diesem Land leben und sind nicht mehr an die Fürstentümer und Grafschaften des Mittelalters gebunden. Es ist doch eine Lachnummer, dass man eher von einem Gymnasium in Mainz nach London wechseln kann als von Bremen nach Bayern. Wenn jemand in Frankfurt auf Lehramt studiert hat, in Rosenheim wird er keine Anstellung finden. Wir düsen um die ganze Welt, machen Geschäfte mit Chinesen, Südafrikanern und Brasilianern, aber wenn Familien mit schulreifen Kindern in Deutschland umziehen wollen, so ist die Katastrophe vorprogrammiert.

Ist das zeitgemäß? Nein, das ist schlicht und einfach idiotisch – vornehmer kann man es nicht ausdrücken. Und derzeit haben sich wieder alle Länder in den Arm genommen, um sich gegen den Digitalpakt des Bundes zu stemmen. In der Zwischenzeit reist unser IT-Chef nach Bulgarien, um dort gute Programmierer zu suchen. Nach Bulgarien – verrückt, oder?

Und beim Spiel ist es nicht anders. Was hatten wir eine heile Welt, als noch der Bund das Spielrecht und das Recht der Spielhallen geregelt hat. Und was haben wir heute? Einen Flickenteppich, der alle Vorstellungskraft übersteigt. Die Branche hatte es lautstark prognostiziert, niemand wollte es wahrhaben. Das Recht der Spielhallen in Deutschland ist jetzt den Ideologien und Launen einzelner Minister, hoher Beamter und Chefs der Staatskanzleien ausgesetzt. Da gibt es in mehrfachem Sinn No-go-Areas wie Berlin und Hamburg, und es gibt Länder, die durchaus in beschränktem Maße Verständnis für die Probleme der Automatenwirtschaft entwickeln können – auch ohne sie unbedingt zu lieben.

Der große Kraftakt der Branche in diesem Jahr war ja nun nicht von Ländern verursacht, sondern vom Bund verordnet. Man stelle sich jedoch vor, jedes Land hätte da noch seine Spielregeln verbasteln können. Es wäre der Untergang des Automatenspiels geworden. Schwer genug ist es schon jetzt. Aber trotz all der Probleme bin ich für ein Daumen hoch. Die Branche wird sich schütteln, hier und da neu erfinden und ihre Spielgäste mitnehmen.

2019 wird kein leichtes, auf jeden Fall ein spannendes Jahr. Ich kenne die Branche nun 35 Jahre. In dieser Zeit galt es viele Hürden zu nehmen. Manchmal war der Abgrund nicht fern. Dass die Automatenwirtschaft dies alles erfolgreich überwunden hat, das macht Mut und sollte uns alle mit Zuversicht in die Zukunft blicken lassen.

Ich danke Ihnen allen für den Kraftakt 2018. Das soll erst mal eine andere Branche nachmachen. Feiern Sie in den kommenden Tagen ein ruhiges, besinnliches und von Hoffnung erfülltes Weihnachten – und bleiben Sie 2019 gesund und mit viel Begeisterung bei der Sache.

In diesem Sinne

Ihr Manfred Schlösser, Verleger games&business

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