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Manfred Schlösser

Kopf aus dem Sand

Casino-, Rubbellos- und Pokerspiele im Internet bleiben in Deutschland verboten. Das hat das Bundesverwaltungsgericht erneut entschieden. Spielveranstalter aus Gibraltar und Malta hatten geklagt und sind mit ihren Klagen gescheitert.

 

Vielleicht stellen diese Veranstalter jetzt ihr Spielangebot ein, um dessen Legalisierung sie gekämpft haben. Wahrscheinlicher ist, dass sie so weiter machen wie bisher. Nur weil in Deutschland etwas verboten ist, kann man ja schlecht sein weltweites Angebot einstellen.

 

Den deutschen Richtern kann man keinen Vorwurf machen. Es ist die Gesetzeslage hierzulande, die inzwischen meilenweit von der Lebensrealität des Internet-Zeitalters entfernt ist. Die Politik steckt gedanklich in den 80ern. Was sich im Internet bewegt, wird verboten, damit man es weiter ignorieren kann. Vogel-Strauß-Politik nannte man das in analogen Zeiten.

 

Paradoxerweise zieht dieser Vogel Strauß noch nicht mal dann den Kopf aus dem Sand, wenn die Betroffenen fordern: „Bitte regulier mich endlich!“ Denn das ist es, was die Branche seit Jahren will – aber nicht kriegt. Klare Regeln müssen her, auf deren Basis ein legales Geschäftsmodell aufgebaut werden kann. Denn erstens ist das die einzig seriöse Herangehensweise. Und zweitens zeigt die Erfahrung, dass ein legales Spielangebot das beste Mittel ist, um die Illegalen aus dem Markt zu drängen. Spieler wollen bei legalen Anbietern spielen, auch beim Online-Gaming – denn nur Legales gibt ausreichend Sicherheit.

 

Aber wie es aussieht, hat die deutsche Politik Angst vor legalen Spielbetrieben. Online-Spiel wird bewusst illegal gehalten. Sportwetten erhalten keine Lizenzen. Und das seit Jahrzehnten legale gewerbliche Automatenspiel wird gerade massiv kaputtreguliert. Für all das gibt es Gesetze. Die führen aber geradewegs in die Gesetzlosigkeit, weil sich weder das Spielangebot noch der Spieler aufhalten lassen. Das kann aber nur eine Politik erkennen, die endlich online geht. Für den Anfang würde sogar schon reichen, wenn sie einfach den Kopf aus dem Sand zieht.

 

Auch das scheint aber ein hoffnungsloses Unterfangen zu sein. Erst recht jetzt, wo in Berlin wahrscheinlich vier sehr unterschiedliche Partner ans Regulieren gehen müssen. Von da werden also keine Impulse ausgehen. In den Ländern, die eigentlich die Herren der Spiele sind, ist es ebenfalls permanent schwieriger geworden. Auch dort regieren meist Zweier- oder gar Dreierkoalitionen. Die Liste der Themen, in denen diese keine oder kaum Einigkeit finden, ist ellenlang. Kaum eine Chance die Agenda um das Online-Spiel zu erweitern. Will man als Glücksspielunternehmen nicht den Analog-Tod sterben, so muss man sich in der Welt umsehen, wo es Chancen gibt, weltweit aktiv zu sein. Das Internet kennt keine Grenzen, kennt kein Klein-Klein. Das Internet ist global und Deutschland hätte in der Wirtschaft gerne viele Global-Player – nur nicht beim Spiel. Wie kurzsichtig.

 

Dass es die Videospiele der ersten Stunde waren, die japanische und amerikanische Konzerne in die Zukunft gebeamt haben, das wollte man hierzulande nie wahrhaben. Videospiele aus Deutschland gab es so gut wie nie. Das war damals schon „ba“. Den eGaming-Zug hat man auch verpasst. Für junge Programmierer sind Spiele jeder Art eine Herausforderung. Sie prägen viele Gründer-Szenen und öffnen die Tür zu anderen Themen. Wenn man in Sachen Digitalisierung, als eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt, auch an die Spitze will, dann muss man das elektronische Spiel fördern, nicht ausblenden. Kopf aus dem Sand wird da alleine nicht helfen.

 

Manfred Schlösser, Verleger von games & business

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