Dachverband

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Manfred Schlösser

Impfen, impfen, impfen

Ja, dies ist eine dringende Bitte: Helfen Sie uns und der ganzen Automatenwirtschaft die Corona-Impf­quote in die Höhe zu treiben. Nach Schätzungen der Wissenschaft müssen mindestens 85 Prozent der Bevölkerung vollständig ­geimpft sein, damit eine sogenannte Herdenimmunität erreicht ist – mit 70 Prozent wären wir sicher auch schon froh. In den meisten europäischen Ländern sind derzeit erst zwischen 50 und 65 Prozent der Menschen durchgeimpft. Ein weiter Weg also noch, bis wir wieder eine Chance auf unser normales Geschäfts- und Privatleben haben. Das muss man sich mal klarmachen.

Weil das vielen Unternehmen zu langsam geht, ­wollen sie in den USA, aber auch in anderen Teilen der Welt, ihre Mitarbeiter zur Impfung verpflichten. Google-Chef Sundar will keine Ungeimpften mehr auf seinen Campus lassen. Uber, Netflix und Facebook erwägen ähnlich strikte Maßnahmen. Der Nachrichtensender CNN stellt klar: Wer ungeimpft ist, muss draußen bleiben. Senderchef Jeff Zucker hat sogar schon drei Mitarbeiter, die sich nicht impfen lassen wollten, vor die Tür gesetzt. In EU-Ländern dürfte das aus rechtlichen Gründen derzeit nicht möglich sein. Aber der Ton gegenüber ungeimpften Mitarbeitern wird nicht nur in England immer schärfer. Von "Feiglingen, die gebrandmarkt werden müssen" ist auf der Insel schon die Rede.

In Deutschland wird keine Partei das Thema mas­siver Einschränkungen für Ungeimpfte oder gar einer Impfpflicht vor der Wahl anpacken ­wollen. Wir brauchen aber eine hohe Impfquote, damit auch der Alltagsbetrieb in Spielstätten und Sportwett-Shops wieder an Normalität gewinnt. Wie sollen Spiel- und Wettfreude wieder alte Formen annehmen, wenn man ständig belästigt ist von Masken, Desinfektion und Abstandsschildern? Also wird es auch auf die Überzeugungskraft der Automatenunternehmer ankommen, ihre Mitarbeiter, ihre Kunden, ihre Freunde und Verwandten, jeden ­privaten Kontakt von der Notwendigkeit einer Corona-Impfung zu überzeugen. Oft hilft ja das sogenannte ­"anschubsen". Freibier, Bratwurst und Kinokarten sind beliebte Mittel. Man glaubt es nicht, und es lässt einen an der Menschheit zweifeln – aber es hilft. Unternehmen sollten sich vor diesem Hintergrund auch ein paar Dinge einfallen lassen.

Ja, man kann der Meinung sein, dass das ständige Herumreiten auf Inzidenzwerten nicht zielführend ist. Dass man längst hätte andere Parameter hinzuziehen müssen, ist auch bei Medizinern eine weit verbreitete Auffassung. Der Meinung bin ich auch und der Bremer Bürgermeister macht sogar Druck. Denn in der Hansestadt sind schon deutlich über 70 Prozent geimpft. Also muss auch Belohnung her, sagt OB Andreas Bovenschulte. Es hilft aber nicht weiter, wenn man nur den Unmut gegenüber Inzidenzen schürt, anstatt massiv für die Impfung zu werben. Sie ist das einzige Mittel, das uns unser altes Leben wiedergeben kann.

Schade ist auch, dass es kein verlässliches europäisches Vorgehen gibt. Emmanuel Macron macht in Frank­reich Druck auf gewisse Berufsgruppen und erntet massiven Gegendruck von der Straße. England normalisiert bei recht hoher Impfquote weitgehend das Leben und scheint Erfolg damit zu haben. Aber auch daran schaut unsere Politik im Wahlkampf bewusst vorbei. Gleich­zeitig entwickeln sich Länder im Süden wieder zu Hoch­risikogebieten. Ja, Politiker möchte man in diesen Tagen auch nicht immer sein. Was also tun?

Impfen, impfen, impfen: Machen Sie sich und Ihre Mitarbeiter zu Botschaftern für Biontech/Pfizer, Moderna und Co. Unsere Verbandstreffen, unsere Kongresse, unsere Stunden mit Kolleginnen und Kollegen an irgendeiner Bar – all das, was wir so lieben, werden wir nur mit hoher Impfquote zurückbekommen können. Vieles sehe auch ich beim Thema Corona und Einschränkungen sehr kritisch. Wir müssen es mit der Politik diskutieren. Aber bitte erst nach der Impfung – das habe ich in anderthalb Corona-Jahren gelernt.

Manfred Schlösser, Verleger games & business

[email protected]

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