Dachverband

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Manfred Schlösser

Ich bin dann mal weg

Mit diesem Satz machte sich Hape Kerkeling auf den steinigen Weg nach Santiago de Compostela. Wie kommt es, dass einem dieses Zitat durch den Kopf schießt, als Paul Gauselmann auf der Mitgliederversammlung des VDAI verkündet, dass er nicht mehr für das Amt des Vorstandsvorsitzenden kandidieren werde? Vielleicht, weil Hape Kerkeling weg, aber immer noch da war? Vielleicht, weil Gauselmann dies mit einer Ruhe und Gelassenheit verkündete, die niemand erwartet hätte? Ein langjähriger Wegbegleiter hatte im Vorbeigehen noch geflüstert: "Das wird heute hoch emotionell." War es nicht, zumindest nicht erkennbar. Und nach der Mitgliederversammlung unterstrich Paul Gauselmann sogar noch das Kerkeling-Zitat, indem er sich in den Zug setzte und sich auf den Weg nach Espelkamp machte. Beim 6. Gaming Summit der Automatenwirtschaft, wo er immer in der ersten Reihe saß, war sein Platz leer. Konsequenz, die man von ihm kennt.

Uwe Christiansen erinnerte in einer kleinen Laudatio an die vielen bahnbrechenden Entscheidungen, die in den Gauselmann-Jahren im VDAI gefällt wurden und die die Umsätze der Branche in seiner Amtszeit mehr als verzehnfachten. Unglaublich, aber wahr. Viele aus der VDAI-Runde dankten ihm mit sehr persönlichen Worten und bedauerten, dass nun diese Ära des Verbandes zu Ende gehe. Aber zu dem Thema hatte Gauselmann ganz klar Stellung bezogen. "Die drei Spitzenmanager, die jetzt an die Spitze des Verbands treten, erfüllen eine ganz wichtige Voraussetzung, dass ich mich zurücknehmen kann: Sie verstehen sich persönlich. Das ist als Grundlage einer erfolgreichen Zusammenarbeit enorm wichtig." Schon längere Zeit, so Gauselmann, habe er beobachtet, dass Dr. Daniel Henzgen (Löwen Entertainment), Lars Rogge (Bally Wulff) und Manfred Stoffers (Gauselmann) sehr gut zusammenarbeiten können. Neben allem Wettbewerb der Unternehmen seien sie in der Lage Verbandsinteressen zu initiieren, zu formulieren und gemeinsame Strategien zu entwickeln. Manfred Stoffers sprach in seiner Replik sicher seinen zwei Mitstreitern aus der Seele, als er sagte: "Es war vielleicht absehbar, aber eigentlich unvorstellbar, was heute hier passiert ist. Gott sei Dank muss sich bei dieser Lösung niemand direkt mit Ihnen messen. Wir versprechen Ihnen aber, dass wir das Gauselmann-Prinzip der Beharrlichkeit hochhalten werden, denn Beharrlichkeit ist meist die Mutter des Erfolgs."

Auch wir danken als Fachmagazin games & business Paul Gauselmann, dem neuen Ehrenpräsidenten des VDAI. In den 38 Jahren, in denen er der Vorsitzende des Vorstands war, konnten wir bei allen Gelegenheiten dabei sein. Wir durften Mitgliederversammlungen erleben, in denen es hoch herging. Es wurde gestritten und zwar auf hohem, aber auch lautem Niveau. Wir konnten Momente großer Zerrissenheit, aber auch Versöhnungen und Momente großer Gemeinsamkeit miterleben. Viel Verbindendes mit der Branche ist da entstanden. Dass nur Sachliches und Fachliches den jeweiligen Raum je verlassen hat, ist die journalistische Antwort auf so viel Offenheit und Vertrauen.

Ich bin dann mal weg – aber immer noch da, so könnte man die Gauselmann-Variante des Kerkeling Zitats vollenden. Als Unternehmer in einem der größten Glücksspielkonzerne der Welt, wird Paul Gauselmanns Wort politisch immer Gewicht haben – ob mit Verbandsamt oder auch ohne.

Wir wünschen ihm für die gewonnene Freizeit alles Gute und dass es ihm gelingt, den lieben Gott auch mal einen guten Mann sein zu lassen – und einfach nur zu entspannen.

Manfred Schlösser, Verleger games & business
[email protected]

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