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Wissenschaft

GlüStV 21 droht zu scheitern

Die Länder wollen für virtuelle Automatenspiele eine 8-prozentige Steuer erheben. "Mit einer Spieleinsatzsteuer in dieser Höhe droht der ganze GlüStV 2021 zu scheitern", sagt der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Justus Haucap im games & business-Interview.

g&b: Die Finanzminister der Länder haben im Hinblick auf die Besteuerung von Online-Poker und virtuellen Automatenspielen einen ersten Gesetzentwurf konzipiert. Der Vorschlag sieht Steuern von 5,3 Prozent für Online-Pokerspiele sowie eine Steuer für virtuelle Automatenspiele in Höhe von 8 Prozent auf den Einsatz vor. Lässt sich mit diesen Regelungen eine Kanalisierung erreichen – und in der Folge auch der Schwarzmarkt austrocknen?

Haucap: Mit einer Spieleinsatzsteuer in dieser Höhe droht der ganze GlüStV 2021 zu scheitern. Aktuell werden bei virtuellen Automatenspielen etwa 96 Prozent an die Spieler ausgeschüttet und etwa vier Prozent einbehalten. Der sog. Bruttospielertrag, also Einzahlungen minus Auszahlungen, liegt also bei 4 Prozent.

Wenn jetzt eine Spieleinsatzsteuer in Höhe von 8 Prozent obendrauf kommt, können nur noch 88 Prozent ausgeschüttet werden und es müssen 12 Prozent einbehalten werden. Von diesen 12 Prozent gehen dann aber 8 an das Finanzamt, also zwei Drittel. Die implizite Bruttospielertragssteuer ist also 66,67 Prozent. Im europäischen Durchschnitt liegt dieser Satz bei 19 Prozent, die Steuer in Deutschland wäre also mehr als dreimal so hoch wie der EU-Durchschnitt. Da wird dann kaum noch einer in Deutschland spielen wollen. Anders ausgedrückt kann man dann mit demselben Einsatz im Ausland etwa dreimal so lange spielen wie in Deutschland.

Beim Online-Poker mit einem Satz von 5,3 Prozent sieht es auch nur etwas besser aus, der umgerechnete Satz für die Bruttospielertragssteuer ist dort etwa 51 Prozent – auch das wird kein wettbewerbsfähiges Angebot in Deutschland ermöglichen. Bei dieser Besteuerung wird die Kanalisierung krachend scheitern.

Lesen Sie das komplette Interview mit Prof. Haucap in der Februar-Ausgabe von games & business.

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Foto: © Mourad ben Rhouma

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