Dachverband

Anzeige


Manfred Schlösser

Gedanken nach einer Reise

Ob Reisen wirklich bildet, ich vermag es nicht abschließend zu sagen. Nicht selten begegnet man unterwegs Leuten, die einen das Gegenteil vermuten lassen. Auf jeden Fall öffnet Reisen aber den Blick für andere Kulturen, für andere Lebensweisen, ja, auch für andere Religionen. Welche Schlüsse jeder Einzelne wiederum daraus zieht, das bleibt uns meist verborgen.

Während es hierzulande Frostbeulen, Sturm und Regen gab, schwitzte ich bei Tempelbesuchen, Flussfahrten und Wanderungen durch Reisfelder in Indochina. Ich schwitzte auch beim Überqueren der Straßen in Städten wir Hanoi, Saigon oder Bagan. Ein Meer von tausend Rollern, auf dem ein paar Ozeanriesen namens Cayenne, Maybach oder auch Lexus "schwimmen". Ampeln gelten allenfalls als freundlicher Hinweis, Zebrastreifen als nette Dekoration, Verkehrsschilder sucht man vergebens. Und trotzdem geht man ruhig los, streckt den Arm etwas nach vorne und das Meer aus Blech, Motoren und Reifen tut sich auf. Du kommst dir vor wie Moses, der trockenen Fußes das Rote Meer durchschritten haben soll. Es geht. Ja, es geht sogar prima. In all diesen Städten - wir würden sagen "Verkehrs-Chaos-Städten" - habe ich nicht einen Unfall gesehen. Nicht einen.

Da erinnert man sich an Fernsehsendungen über schilderfreie Städte in Holland, Belgien, Dänemark und sogar schon in Deutschland. Ampeln, Gehwege und Verkehrszeichen sind dort weitgehend verschwunden und die Zahl der schweren Unfälle ist auf Null gesunken. Es gibt dort nur noch drei Regeln: Rechts vor links, Tempo 30 und aufpassen. Aufpassen ist in Indochina überlebenswichtig. Es gibt kaum Haftpflichtversicherungen, keine Kasko, kein Arbeitslosengeld, rein gar nichts. Das lässt die Menschen dort irre aufpassen – auch auf die anderen. Und uns lässt es staunen. Nicht, dass ich solchen Zuständen das Wort reden möchte, aber nachdenklich macht es schon.

Und in der Branche höre ich drei- oder viermal gleich am ersten Arbeitstag: "Habe verkauft – an größere". Auch das macht nachdenklich. Aber macht es auch Sinn? An der Börse heißt es doch: Kaufe, wenn die Kanonen donnern, verkaufe, wenn die Violinen spielen. Zurzeit donnern in der Automatenbranche wohl eher die Kanonen.

Dinge, die einem durch den Kopf gehen, wenn man wieder heimatliche Erde unter den Füßen hat. Auch wenn Reisen nicht unbedingt bildet, es tut sich was – besonders zwischen den Ohren. Ich bin noch allergischer geworden gegen diejenigen, die nur unser Bestes wollen. Sie kümmern sie sich vorwiegend um den Kleinkram des Lebens, stellen überall Schilder auf und lassen unsere Gesetzbücher anschwellen. Um ja keinen Regelverstoß zu begehen, muss man heute in Gast- und Spielstätten auf langen Checklisten abhaken, was Gesetze und Verordnungen vorschreiben. Tut man dies nicht, hängt das Damoklesschwert hoher Bußgelder über einem. Auch deshalb verkaufen viele in der Branche, weil sie diese bürokratische und oft unsinnige Gängelei satt haben. Weil es einfach keinen Spaß mehr macht, wenn sich das Leben nur noch nach den Vorsichtigen, den Ängstlichen, Schwachen und Versicherungssüchtigen ausrichtet.

Und da denkt man wieder an Stationen der Reise zurück, auf der man so unendlich viele lachende Gesichter gesehen hat – trotz der vielen Lebens-Risiken. Oder vielleicht gerade deswegen ...

In diesem Sinne

Manfred Schlösser, Verleger games & business

Zurück


Anzeige