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Paul Brühl

Ganz ohne geht's nicht

Die Automatenbranche zählt in Deutschland etwa 2,5 Mio. Geräte. Von diesen Automaten sind 600.000 bis 800.000 auf bargeldlose Systeme um-/nachrüstbar. Der Rest ist technisch nicht für den bargeldlosen Betrieb geeignet. Eine Einschätzung von Paul Brühl.

Unverständnis, Ärger und Zorn machen sich inzwischen breit in unserer Branche, die gebeutelt ist und deren Geduld zu lange und zu sehr durch Reglementierungen der Politik strapaziert worden ist. Nun kommt neues Ungemach auf sie zu: Neben der aktuellen Null-Zins-Politik, den steigenden Aufwendungen für Kontoführung und Geldbearbeitung sowie der stetigen Reduzierung der Bargeldmenge. Ganz ohne – auch wenn das bisweilen schön sein kann – geht's nicht in unserer Branche. Ohne Münzgeld ist unser Business nicht denkbar, auch wenn neue technische Entwicklungen verlockend erscheinen und uns faszinierende Optionen aufgezeigt werden.

2,5 Mio. Geräte u. a. für Kaugummi, Toys, Coffee, Candy und Coke, für Kiddy Rides und Kondome, weitere Warenautomaten sowie Fun und Gaming gibt es in Deutschland. Von diesen Automaten sind, wenn's hoch kommt, 600.000 bis 800.000 auf bargeldlose Systeme um-/nachrüstbar. Der Rest hat mechanische oder elektromechanische Münzprüfer/-wechsler und ist somit technisch nicht für den bargeldlosen Betrieb geeignet. Und die Automatenbranche ist übrigens nicht die einzige Branche, die durch derartige Vorhaben oder die Abschaffung des Bargeldes gebeutelt wäre. Das sehen die IHK Gießen-Friedberg und eine Reihe von Fachverbänden auch so.

Mittelstand bleibt auf der Strecke

Fragen wir doch einmal, wer an der Münzgeldabschaffung und dem Ende der Scheine (der 500er ist doch nur der Anfang vom Ende der Scheine!) ein Interesse hat. Schnell drängen sich Vermutungen auf, wonach der Informationshunger von Staat/Fiskus, Banken und High-Tech-Unternehmen wie Amazon und Co. übergroß ist. Stets nach der Maxime: Alles erfahren, alles wissen, um letztlich sogar alles zu steuern. Vielleicht auch uns?

Wer da auf der Strecke bleibt, ist der Mittelstand. Das sind zum Beispiel wir, unsere Automatenkunden und hier auch unsere Kiddys; denn wer denkt bei diesem Thema schon an die, die mit der Kaugummikugel am Automaten ihre ersten Kauferlebnisse machen? Und die Vielzahl der Kinder verfügt in der Regel nicht über Bank-, Kreditkarten oder Handys, mit denen dann zu zahlen wäre.

Machen wir uns nichts vor, unabhängig von diesen Überlegungen soll hier doch letztendlich nur eines erreicht werden: intensivere Bindung statt pekuniäre Unabhängigkeit, vollständige Nachvollziehbarkeit und Beeinflussbarkeit des Kaufverhalten statt … ja, statt Freiheit.

Nicht schweigen

Deshalb ist es nicht gut, wenn wir wieder einmal schweigen. Denn das Thema ist heiß und es geht um unsere Freiheit, ob, wie, wo, wann und wieviel wir kaufen und unser Bares dafür ausgeben; und uns nicht von unserer Bank auch noch dafür bestrafen lassen, wenn unser Haben auf dem Konto "zu hoch" ist. Nicht wahr? Heißt es nicht "Nur Bares ist Wahres?". Wie recht unsere Väter doch hatten.

Dazu noch etwas: Birgt der Besitz eines 500-Euro-Scheins etwa mehr Risiko als der Besitz eines Kontos in Panama? Ein wenig konservativ zu sein ist kein Fehler. Technischer Fortschritt muss deshalb auch nicht immer und zwangsläufig von Vorteil sein. Ach ja, Bargeld zu haben, und nicht nur wenn die PCs oder der Strom ausfallen, kann sehr von Vorteil sein. Zahlen wir also bar und fordern von unserer Politik die Freizügigkeit ein, so zu zahlen, wie wir wollen: bar und ohne Limit.

Paul Brühl, Geschäftsführer VAFA – Verband Automaten-Fachaufsteller

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