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Stefan Dreizehnter

Freiheit wählen

Wenn in wenigen Tagen gewählt wird, dann geht eine der interessantesten – man kann auch sagen verrücktesten – politischen Prozesse der vergangenen Jahrzehnte zu Ende. Nach 16 Jahren im Merkelschen Schlafwagen fahren die Prognosen über den Wahlausgang dermaßen Achterbahn, dass sie sogar die seit Monaten unvermeidlichen Corona-Wasserstandsmeldungen von Platz eins in den Morgenmagazinen der Republik verdrängen. Es ist echt was los.

Wo endet das? Die Landschaft muss hier nicht durch eine weitere Vorhersage bereichert werden, die dann doch nicht eintrifft. So ziemlich alle Erwartungen aller politischen Experten schienen sich in den letzten Monaten zu bestätigen, um sich dann doch in ihr Gegenteil zu verkehren. Mehr Glaskugel und Kaffeesatz war selten. Und so bleibt es wohl bis zum Schluss.

Das sind harte Zeiten für die sogenannten "taktischen Wähler", die ihre Stimme nicht nach einer Partei, sondern nach einem Koalitions-Ziel vergeben. Das Spiel mit der Stimme über Bande ist diesmal eine richtig unsichere Nummer. Ampel, Jamaika, Deutschland-Koalition. Oder dann doch Rot-Rot-Grün?

Weil bei dieser Wahl alles verrücktspielt, ist es besser, ganz bei sich zu bleiben – wo auch immer das gerade ist. Das dürfen auch ruhig die eigenen geschäftlichen Interessen sein. Das ist weder verboten, noch ist es moralisch verwerflich. Der Beruf ist gerade bei Unternehmerinnen und Unternehmern Lebensinhalt und wirtschaftliche Grundlage zugleich. Das sind mehr als nur gute Gründe, genau daran das eigene Stimmverhalten zu orientieren – zumal nicht nur die eigene Existenz davon abhängt. Sondern auch die Existenz von vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Diese Orientierung ist nicht so schwer. Da wir gerade in den letzten Monaten mit der Politik intensive Erfahrungen gemacht haben, schadet ein Blick auf die Landkarte nicht. Wo trifft die Branche der regulatorische Bann? Wo kann man sich noch bewegen? Wo reicht es zum Überleben? Und wo zu mehr?

Und sage keiner, das alles hänge nur von Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen ab. Dass die Regulierung der Branche längst nicht (nur) von der Wissenschaft bestimmt wird, wissen wir alle. Ganz trocken und neutral konstatiert ein Wissenschaftler in dieser Ausgabe: "Die Politik hat ihre eigenen Regeln." Diese Regeln sind vor allem vom Weltbild geprägt. Wird Spielerschutz aus der Perspektive des mündigen Menschen gedacht? Oder sieht man grundsätzlich den Patienten, der vor allem geschützt werden muss – im Zweifel sogar vor sich selbst. Am Ende ist alles eine Frage des Menschenbildes. Am Ende geht es um die Freiheit, meint der hessische Innenminister Beuth in dieser Ausgabe.

Jeder kann es damit halten, wie er will. Aber ich finde, dass die Freiheit ein sehr guter Maßstab ist, um daran die eigene Wahlentscheidung auszurichten. Das muss nicht zwingend mehr Freiheit für unser Gewerbe sein. Die Freiheit von Angst, die Freiheit von Not oder auch die Freiheit für Selbstverwirklichung, sogar die Freiheit zur Bindung – Freiheit von oder zu ist immer eine gute Idee.

Wenn Sie also nicht so genau wissen, was Sie mit Ihrer Stimme am 26. September machen sollen – wählen Sie doch einfach die Partei, die Ihrer Vorstellung von Freiheit am besten entspricht. Es gibt keine Garantie dafür, was mit dieser Stimme wird. Aber zumindest haben Sie dann die Gewissheit, ganz für sich selbst gewählt zu haben. Wir sehen uns nach der Wahl!

Ihr Stefan Dreizehnter

Chefredakteur games & business
[email protected]

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