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Manfred Schlösser

Freiheit ist sensibel

Spielersperre? Das ist in unserer Branche schon längst ein gängiger Gedanke. Fast jeder nickt automatisch, wenn der Vorschlag im Katalog für mehr Spielerschutz auftaucht. Spielersperre – klare Sache. Find ich gut.

Es gibt aber Menschen in diesem Land, die ganz heftig die Stirn runzeln, wenn es um Spielersperren geht. Dazu gehören in vorderster Front die Datenschützer. Die kriegen das Gruseln, wenn von irgendwelchen vernetzten Sperrdateien die Rede ist, die auf Servern von Privatunternehmen ein sicherheitstechnisch höchst zweifelhaftes Dasein fristen. Von irgendwelchen handschriftlichen Listen, die irgendwo rumliegen, wollen die lieber gleich gar nichts hören. Es gibt aber keinen Zweifel daran, dass das auch zur Realität in der Branche gehört. Der Gesetzgeber verlangt Spielerschutz. Der Gesetzgeber verlangt Datenschutz. Er tut aber nichts dagegen, dass diese beiden Ziele gegeneinander laufen.

Mich hat die Warnung der Datenschützer vor dem allzu eilfertigen Umgang mit Daten zum Zweck des Spielerschutzes mal wieder wach gemacht. Das Instrument der Spielersperre wird meines Wissens nach bisher nur von Hessen mit dem Oasis-System auf rechtlich einigermaßen sicherer Grundlage durchgeführt. In allen anderen Bundesländern wird bestenfalls darüber geredet. Von Rechtssicherheit kann nicht die Rede sein.

Es kann nicht oft genug gesagt werden: Wir reden hier nicht von Kinkerlitzchen. Eine Sperre – auch wenn sie selbst veranlasst ist – ist eine Maßnahme, die die Freiheit erheblich einschränkt. Dafür muss es sowohl eine Rechtsgrundlage als auch rechtssichere Durchführungsbestimmungen geben. Und zwar nicht nur für die Person, die sich Sperren lässt. Sondern auch für diejenigen, die diese Sperre annehmen und letztlich auch durchführen müssen.

Wir leben aber in einer völlig anderen Realität. Für denjenigen, der sich sperren lässt, gibt es keine verbindlichen Informationen darüber, welche Konsequenzen die Sperre hat, wo die Daten darüber gespeichert sind und auftauchen dürfen und wie er wieder aus dieser Sperre heraus kommt. Und übrigens auch nicht darüber, welche Pflichten und Rechte sich aus der Sperre ergeben. Darüber weiß derjenige, der die Sperre aussprechen muss, übrigens auch nichts. Weder das Unternehmen noch die Mitarbeiter, die ja im Zweifel den operativen Part bei einer Sperre übernehmen müssen, haben für die vielen Fragen, die sich aus einer Sperre und deren Durchführung ergeben, Informationen, geschweige denn eine Rechtsgrundlage. Entsprechend gibt es auch keine rechtssicheren Verhaltensregeln. Womit wir unter anderem auch wieder beim Datenschutz wären. Denn der gehört in dieses Feld mit rein.

Wie heißt es doch so schön: Das Geldspiel ist ein sensibles Produkt. Und damit muss man verantwortungsvoll umgehen. Es gilt aber auch: Die Freiheit ist eine sensibles Gut. Damit muss man erst recht sehr verantwortungsvoll umgehen. Wie der Gesetzgeber mit einer Einschränkung der Freiheit – nämlich der Spielersperre – umgeht, ist leider alles andere als verantwortungsvoll. Wenn eine Spielersperre mit der dafür nötigen Sperrdatei etwas mit Recht zu tun haben will, muss der Gesetzgeber ganz schnell für klare Verhältnisse sorgen. Denn der gute Zweck heiligt nicht die Mittel am Rande der Rechtsstaatlichkeit.

Manfred Schlösser, Verleger games & business
schloesser@gamesundbusiness.de

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