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Stefan Dreizehnter

Fehlanzeige

Die erstaunliche Nachricht kommt ziemlich flapsig daher. "Fehlanzeige" meldet die Berliner Senatskanzlei auf die Frage, ob es denn irgendwelche wissenschaftlichen Studien zum "Cooling down"-Effekt von Abstandsregeln zwischen Spiel- und Wettbetrieben gebe. Es gibt keine wissenschaftlichen Studien und Belege zur Wirkung von Abständen in Sachen Jugend- und Spielerschutz. Wohl deswegen soll das Eingeständnis möglichst beiläufig rüberkommen. Und dabei ist das ein ziemlicher Hammer.

Ausgerechnet die Berliner, die das erste und gleichzeitig auch schärfste Landesglücksspielgesetz verabschiedet haben, sitzen schon immer auf der Erkenntnis, dass Abstandsregeln keine wissenschaftliche Grundlage haben. Trotzdem wird dieses Instrument wie ein heiliger Gral des Spie­lerschutzes durch die Landesgesetze getragen, bis hin zum jüngsten Glücksspielstaatsvertrag. Wissenschaftliche Basis: Fehlanzeige.

Das ist ganz schön dünn für ein Regulierungsinstrument, das spätestens zur Mitte nächsten Jahres Hunderte von Spielhallen, Tausende von Arbeitsplätzen und unzählige unternehmerische Existenzen vernichtet. Wenn die Abstandsregeln für Spielhallen in den Bundesländern endgültig greifen, gibt es einen Kahlschlag ähnlich dem, der in Berlin gerade vorgemacht wird. Das ist wirtschaftlich ein Desaster. Suchtpolitisch offenbar wirkungslos. Und außerdem ein Fest für den unregulierten Schwarzmarkt, der in die Lücken stößt.

So kann und darf Spielerschutz nicht aussehen. Das hat man in der Politik an der einen oder anderen Stelle bemerkt. Im Nachhinein betrachtet offenbar nicht ohne Grund kündigte der Chef der NRW-Staatskanzlei Liminski schon im Februar an, bei Spielhallen werde es in seinem Land 2021 um die Einhaltung von Qualitätsmaßstäben gehen. Und nicht um den "zufälligen geografischen Standort". Dass Abstände mit Wissenschaft nichts zu tun haben, scheint man also auch da schon etwas länger zu wissen.

Man geht also allmählich auf Abstand zum Abstand. Denn der heilige Gral des Spielerschutzes stellt sich wie sein berühmtes Vorbild als Phantom heraus. Statt es zu jagen, sollte man auf messbare Qualität für den Spielerschutz setzen.

Stefan Dreizehnter, Chefredakteur games & business

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