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Manfred Schlösser

Es wird nicht einfacher

Die Würfel sind gefallen. Die großen Volksparteien, die früher in Bund und Ländern um absolute Mehrheiten ringen konnten, sind auf Werte um die 25 Prozent geschrumpft. Königsmacher sind nun zwei kleine Parteien mit gerade mal gut zweistelligen Ergebnissen. Sie entscheiden, wer "unter" ihnen Kanzler wird. Es müsste geradezu Galaktisches passieren, sollte das Armin Laschet sein. Dass ein Lacher zur Unzeit eine ganze Partei in den Strudel nach unten zieht, das hat es so noch nie gegeben. Möglich war es auch nur, weil die Union so uneinig war, wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Früher hat sie den internen Krieg gerne der SPD überlassen, die im Zerlegen der eigenen Spitzenleute stets Spitzenleistungen zeigt.

Diesmal jedoch hat sie hervorragend zusammengehalten, hat ihre kritischen Leute unsichtbar gemacht und sich auf wenige Themen und klare Aussagen reduziert. Scholz war Bewahrer und Aufbruch zugleich. Die traditionsreiche SPD hatte verstanden, dass es diesmal um Leben und Tod ging. Wäre sie bei den 15 Prozent aus den Umfragen oder gar darunter hängengeblieben, so wäre der freie Fall in die Bedeutungslosigkeit sehr wahrscheinlich gewesen. Auch die Grünen haben gezeigt, dass man zu einer Kandidatin stehen kann, selbst wenn ihr gravierende Fehler passieren. Sie haben sich zwar von ihren besten Umfrage-Ergebnissen verabschieden müssen, sind aber stark und einig geblieben. Jetzt sind auch sie Kanzlermacher.

Nachdem die Karten nun neu gemischt sind, muss sich das politische Berlin auf neue Zeiten einstellen. Es wird nicht einfacher. Hatte man es lange Zeit mit einer großen Koalition zu tun, so sind jetzt drei Parteien im Spiel. Zwei kleine und eine größere. Jede der kleinen kann künftig mal der Schwanz sein, der mit dem Hund wackelt. Aber auch die SPD dürfte für die Kleinen kein einfacher Partner sein. Bis zur Wahl schwebte über allem der erfahrene, ruhige und besonnene Olaf Scholz. Über seine Qualitäten wurde kaum geredet, er war einfach da. Letztlich so einfarbig und unauffällig wie auf seinen Plakaten. Keiner, der Begeisterung weckt. Einer, den die eigene Partei nicht als Vorsitzenden wollte, wird jetzt Kanzler. Seine Parteivorsitzenden und sein linker Flügel werden ihm und seinen Koalitionspartnern einiges abverlangen. Sie werden aus den Kulissen hervortreten und ihre Rechte anmelden.

Wer sich also künftig in Berlin Gehör verschaffen und Verständnis finden will, der muss nicht nur auf drei Hochzeiten tanzen, sondern auch noch die verschiedenen Strömungen zumindest in der SPD im Blick haben. Für die Automatenwirtschaft wird es auf jeden Fall nicht einfacher. CDU und CSU sind aus dem Spiel. Mit der SPD hat man in Ländern sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht, mit den Grünen ebenfalls. Die FDP steht eher auf der Seite von Wirtschaft und Mittelstand, kann aber allein auch wenig ausrichten. Vielleicht ist es nun gut, dass viel Gesetzgebung, die die Branche betrifft, inzwischen in die Länder gewandert ist. Ich hätte auch nie gedacht, dass man das auch mal positiv sehen könnte.

Um so besser, dass sich die Automatenwirtschaft mit Gesamtverband und starken Verbänden in den Ländern gut aufgestellt hat. Bleibt zu hoffen, dass die neue Bundesregierung, neben allen Klimazielen, das Wohl der Bürger nicht aus den Augen verliert. Sie sind es nämlich, die die ganze Zeche zahlen - und nicht nur am Schluss, sondern immer.

Ihr Manfred Schlösser

Verleger games & business
[email protected]

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