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Merkur Beirat

"Es geht um unser Ansehen"

Auch die Hauptversammlung des Merkur Beirats war überschattet von den jüngsten Medienberichten und den Auswirkungen der Umstellung auf TR 5.

Jürgen Stühmeyer, Vertriebsvorstand bei Gauselmann, rief die Mitglieder des Merkur Beirats auf, auch bei Kollegen massiv dafür zu werben, dass die neuen Richtlinien und Spielregeln von TR 5 einzuhalten seien. "Wenn wir uns hier nicht in der Breite ordnungsgemäß präsentieren, dann riskieren wir eine neue Spielverordnung oder zumindest eine neue technische Anweisung." Dies müsse sich jeder vor Augen halten, der meine, durch egoistisches Verhalten die Anfangsprobleme der Umstellung umgehen zu müssen.

Zum Verlauf der Umstellung sagte Stühmeyer selbstkritisch, dass man diesen nicht so gut geschafft habe, wie man ihn habe schaffen wollen. Dies sei vornehmlich der Größe der Aufgabe geschuldet, die es zu bewältigen gegolten habe. Erstmals seit der neuen Automatenzeitrechnung Anfang der fünfziger Jahre, habe man von einer Branche verlangt, ihren gesamten am Markt befindlichen Gerätepark bis zu einem Stichtag vollkommen umzustellen. "So behandelt man nur uns", so der Vertriebsvorstand, "andere sagen einfach, es sei nicht zu schaffen und dafür werden sie noch ins Kanzleramt eingeladen."

Katrin Koch, Assistenz des Vorstandes Vertrieb bei Gauselmann, fügte hinzu, dass man gegenüber der Branche mit aller Härte vorgehe. Aus der Verwaltung und von Bürgermeistern habe man schon Tage vor der Umstellung erfahren, dass es kein Pardon gebe. Inzwischen wisse man, dass es schon zur Beschlagnahmung von Automaten gekommen sei, die nicht rechtzeitig umgestellt wurden.

Koch bedauerte in diesem Zusammenhang, dass es in der Öffentlichkeit noch nicht hinlänglich angekommen sei, dass die Branche in den vergangenen Jahren schon viele Geräte abgebaut habe und Expansion so gut wie nicht mehr stattfinde. Negativ sei aber andererseits festzustellen, dass die Botschaft der Reduzierung in Kommunen und Städten vielfach dazu geführt habe, die Vergnügungssteuer zu erhöhen. Dem Steuerschwund durch weniger Automaten wolle man durch höhere Steuern entgegenwirken. Dabei vergesse man allerdings, dass weniger Automaten auch beim Betreiber zu weniger Einnahmen führten. Wenn dies Schule mache, so Koch, gerate die Branche in eine böse Zwickmühle.

Von weiteren Belastungen der Unternehmen berichtete in Stuttgart Wolfgang van Kerkom - Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwalt (PKF). Er wies die Unternehmer in aller Dringlichkeit darauf hin, ihr Unternehmen auf eine GoBD-konforme Datenverarbeitung hin zu überprüfen. Besonders in diesem Bereich habe sich die Betriebsprüfung derart gewandelt, dass man heute nicht mehr diskutieren und seine Sicht der Dinge einbringen könne, vielmehr erlasse die Finanzverwaltung sofort Bescheide oder reiche Erkenntnisse gar an die Steuerfahndung weiter. Dies betreffe, so betonte er ausdrücklich, nicht nur die Unternehmen der Automatenbranche, es treffe vielmehr die ganze Breite der Klientel der steuerberatenden Berufe.

Wichtig sei vor allen Dingen, dass es im Unternehmen eine Verfahrensdokumentation bezüglich aller Datenflüsse gebe. Auch müsse die Zertifizierung der Software nachgewiesen werden, die man für das Datenmanagement benutze. Abschließend bat van Kerkom noch einmal eindringlich, dies nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Jürgen Stühmeyer sagte zu, dass eine Zertifizierung für die Software "MerkurNet" jetzt beim Unternehmen abgefragt werden könne.  

Volker Nottelmann, die juristische Stimme des Hauses Gauselmann, wies mit Nachdruck darauf hin, dass man im Fokus von Politik und Ordnungsämtern stehe. Er warb dafür, überall wo möglich, den Einfluss geltend zu machen, damit die neuen "Spielregeln" auch in der Praxis Niederschlag finden. Aus den Reihen der Merkur Beiräte wurde berichtet, dass verdeckte Ermittler unterwegs seien und in Spielhallen darauf insistieren, dass man ihnen Wege der Mehrfachbespielung, etwa mit einer weiteren Spielerkarte, ermögliche.

Neu in den Beirat aufgenommen wurden Ralf Bastian und Daniel Speyer. Der nächste Merkur Beirat findet vom 9. bis 11. April in Madrid statt, der nächste Branchengipfel am 6. September, diesmal in Düsseldorf.

Foto: Der Merkur Beirat tagte in Stuttgart.

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