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Online-Glücksspiel-Werbung

Drogenbeauftragte schaltet sich ein

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung fordert in der Corona-Krise eine Eindämmung von Werbung für Online-Glücksspiel. Diese jetzt gezielt zu schalten sei "skrupellos".

Die Bundesdrogenbeauftragte Ludwig sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa): "Auf Kosten von suchtkranken Menschen Profit zu machen, geht gar nicht. Bundesweit gezielte Werbung für Online-Casinos zu schalten, ist illegal und gerade jetzt in Coronazeiten, wo die Menschen allein zuhause sitzen, schlichtweg skrupellos. Diese Situation darf so nicht bleiben, daher werde ich mich an die TV-Sender und Medienaufsicht wenden."

Online-Glücksspiel ist laut der CSU-Politikerin Ludwig schon ohne Corona nicht gerade das "Gelbe vom Ei": "Es birgt eine weitaus höhere Suchtgefahr, als das Spielen 'vor Ort', weil keinerlei gesellschaftliche 'Kontrolle' vorhanden ist." Mit Ausnahme von Schleswig-Holstein ist es in Deutschland zum jetzigen Stand illegal.

"Die massive Werbung für illegale Online-Casinos treibt die Menschen seit der Schließung der Spielhallen in illegale Angebote im Internet", wird auch Georg Stecker, Vorstandssprecher des Verbandes Deutsche Automatenwirtschaft, von der dpa zitiert. Der Schwarzmarkt wachse, weil die Spielhallen ihren gesetzlichen Auftrag nicht erfüllen könnten, das natürliche Spielbedürfnis in geordnete und legale Bahnen zu lenken. Spielhallen sollten deshalb sobald wie möglich wieder geöffnet werden. Sie böten einen hohen Jugend-, Spieler- und Infektionsschutz mit ihrer Aufsicht und ihren Abstandsregeln. Werbung für das illegale Online-Spiel sei gerade in der Krise "dreist und verantwortungslos".

Auch nach Beobachtung des Bundesverbandes deutscher Glücksspielunternehmen (BDGU) nimmt illegales Glücksspiel im Internet in der Corona-Krise zu. "Wenn ein Werbekanal gerichtlich geschlossen wird, werden zwei neue geöffnet", so der BDGU-Vorstandschef Michael Barth. Die Kunden nähmen bei all dieser Werbung oft gar nicht wahr, dass es um illegale Produkte gehe.

Kritik an der zunehmenden Ausstrahlung von Online-Casino-Werbung kommt aktuell genauso vom Verband der Spielbanken (games & business berichtete).

"Spielhallen und Gaststätten sind geschlossen und die Menschen verbringen viel Zeit zu Hause. Es ist zu vermuten, dass die derzeitige sehr gute Gelegenheit, neue Kunden zu gewinnen, von den Anbietern illegaler Glücksspiele genutzt wird, um mehr Werbung zu schalten", äußert sich auch Glücksspielforscher Tilmann Becker von der Universität Hohenheim. Als Gegenmaßnahme wäre es sinnvoll, gegen die Werbung der außerhalb Schleswig-Holsteins illegalen Anbieter vorzugehen.

Von der Gemeinsamen Geschäftsstelle der Medienanstalten heißt es gegenüber der dpa, dass die Landesmedienanstalten reagierten, wenn sie konkrete Hinweise erhielten und die Voraussetzungen erfüllt seien. Ein Verstoß bei TV-Werbespots sei gegeben, wenn das beworbene Glücksspielangebot illegal sei. Ob dies der Fall sei, entschieden die Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder.

Bild: © Deutscher Bundestag / Achim Melde

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