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Stefan Dreizehnter

Diesmal nicht

Wenn hunderte von Betriebe und 8000 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, da hört man schon Mal Töne der kräftigeren Art von den Gewerkschaften. Oppositionspolitiker bringen sich in Stellung, um Aktivität von den jeweilig Regierenden zu fordern. Und wenn es gut läuft, dann bewegt sich sogar ein leibhaftiger Minister Richtung Rednerpult mit der Pose: der Retter naht.

Diesmal nicht. Wenn jetzt in Baden-Württemberg hunderte Betriebe der Automatenwirtschaft und 8000 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, ist von prominenter Seite nicht zu erwarten, dass jemand lautstark in die Bresche springt. Das müssen die Unternehmen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst machen. Und sie machen das auf eine sehr eindrucksvolle Art und Weise. 800 leere Stühle auf dem Stuttgarter Schlossplatz – ein Stuhl für zehn verlorene Arbeitsplätze – waren stumme und gerade deswegen umso deutlichere Ankläger gegen den radikalen Kahlschlag unter der baden-württembergischen Automatenwirtschaft. Freilich - die Plakate sprachen eine deutliche Sprache: „Herr Kretschmann, ich hab Sie nicht gewählt, damit Sie meinen Job vernichten.”

Wo Diplomatie ganz offensichtlich versagt hat, muss sie auch nicht weiter betrieben werden. Die Hoffnung, dass ein angeblich volksnaher grüner Ministerpräsident doch noch ein leutseliges Einsehen haben könnte, haben wohl nur noch wenige. Und die herbe Enttäuschung über eine schwarze Wirtschaftsministerin, die es nicht für nötig hält, für mittelständische Unternehmen einzustehen, muss auch mal einen Ausdruck finden. Arbeitsplatzvernichtung stand schließlich nicht im Wahlprogramm. Dass sich die Industrie- und Handelskammern für den Erhalt von Arbeitsplätzen einsetzen, während die Arbeitnehmervertreter abseits stehen, gehört zu jener verkehrten Welt, die sich in dieser Frage zeigt.

Immerhin – diese Welt wurde jetzt öffentlich. Der Politik wurde die heimliche Hoffnung genommen, dass sich Mittelständler am Ende halt eben doch lautlos und in bürgerlichem Gehorsam in jenes Schicksal fügen, das die Obrigkeit für sie vorgesehen hat. Diesmal nicht. Und das ist gut so.

Stefan Dreizehnter, Chefredakteur games & business
[email protected]

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