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Fachtagung in Offenbach

Die "Camouflage" der Online-Casinos

Die Jahresfachtagung Sportwetten & Glücksspiel beschäftigte sich mit der Frage, ob der liberale Regulierungsansatz Schleswig-Holsteins eine gute Blaupause für eine gesamtdeutsche Lösung darstellt.

Die Verhandlungen im Länderkreis um einen neuen Glücksspielstaatsvertrag ab 2021 sind im vollen Gange. Als größter Streitpunkt gilt die Frage der Online-Casinos: Während einige Länder an einem Verbot festhalten möchten, sprechen sich andere für eine Liberalisierung des Marktes aus. Zur letzten Gruppe gehört auch Schleswig-Holstein, das als einziges deutsches Bundesland über eingehende Erfahrung in der Regulierung des Online-Marktes verfügt: Mit seinem liberalen Gesetz zur Neuordnung des Glücksspiels von 2012 scherte das Land kurzzeitig aus dem Länderverbund aus und erteilte Anbietern von Sportwetten und Online-Casinospielen Lizenzen. Diese Lizenzen sind Anfang 2019 ausgelaufen, sollen aber mittels einer neuen gesetzlichen Grundlage bis 2021 verlängert werden.

Kann das schleswig-holsteinische Modell ein Vorbild für eine gesamtdeutsche Regulierung des Online-Marktes sein? Das war eine der Kernfragen auf der 14. Jahresfachtagung Sportwetten & Glücksspiel am 27. Juni in Offenbach am Main. "Die Lizenzen aus Schleswig-Holstein sind eine Camouflage", zog der Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim, Prof. Tilman Becker, eine wenig schmeichelhafte Bilanz des schleswig-holsteinischen Modells. Becker münzte den Begriff der Camouflage, der ursprünglich für militärische Tarnkleidung und -anstriche gebraucht wird, auf das Vorgehen der Online-Casino-Anbieter: Diese würden ihre nur in Schleswig-Holstein gültigen Lizenzen nutzen, um deutschlandweit für ihr Produkt zu werben und den Verbrauchern auf diese Weise ein legales Angebot vorzuspielen. Bei der Suche nach den werbenden Anbietern im Internet würden unbedarfte Nutzer dann häufig statt auf den – nur in Schleswig-Holstein zugänglichen – .de-Seiten auf den unregulierten .com-Seiten der Anbieter landen. Um diese Problematik in Zukunft zu lösen, schlug Becker vor, Online-Anbietern Lizenzen nur nach einer Zertifizierung durch ein Testlabor zu vergeben, die sicherstellen soll, dass kein Traffic auf die .com-Seiten umgeleitet wird.

"Es ist nur deshalb eine Camouflage, weil die anderen Länder uns nicht folgen", konterte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Hans-Jörn Arp, Beckers Attacke. Arp ist zusammen mit Wolfgang Kubicki einer der "Väter" des schleswig-holsteinischen Gesetzes zur Neuordnung des Glücksspiels und plädiert seit Jahren dafür, es zur Grundlage einer gesamtdeutschen Regulierung zu machen. Denn: "Wir haben einen riesengroßen Online-Markt, der sich nicht verbieten lässt, weder durch Geoblocking noch durch sonstige Maßnahmen. Deshalb müssen wir ihn kontrollieren." Arp setzt sich dabei für eine bundeseinheitliche Lösung ein, die sich an den Realitäten des Marktes orientiert. "Die Live-Wette außen vorzulassen, geht zum Beispiel an der Realität vorbei", so Arp. In diesem Punkt war auch Becker ganz auf seiner Seite: "Im Augenblick haben wir einen Gesetzgebungsprozess, der abgekoppelt ist von der Wirklichkeit. Es muss ein sinnvolles System geschaffen werden."

Mehr zur Jahresfachtagung Sportwetten & Glücksspiel lesen Sie in der Juli-Ausgabe von games & business.

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Bild: Nicht immer einer Meinung: Hans-Jörn Arp (l.), Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU im Schleswig-Holsteinischen Landtag, und Prof. Tilman Becker, Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim.

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