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Stefan Dreizehnter

Das Murmeltier hat Pause

Und täglich grüßt das Murmeltier. Diesen Eindruck hat jeder, der sich auch nur länger als zwei Wochen mit der Glücksspielgesetzgebung in Deutschland auseinandersetzt. Es dreht sich seit Jahren alles im Kreis. Es geht eigentlich nicht um Regulierung. Sondern um Reduzierung. Inhaltlicher Fortschritt ist ein Fremdwort in diesem ganzen Prozess.

Die Deutsche Automatenwirtschaft hat diesen Bann jetzt gebrochen. Beim Gaming Summit 2019 setzte sie zwei Themen auf die Tagesordnung, die politische Parias sind. Das eine waren "Mehrere Glücksspielangebote unter einem Dach". Über ein solches "Pooling" herrscht eigentlich ein regelrechtes Denkverbot. Wenn man das aufhebt, kommt es genauso zu überraschenden Ergebnissen wie bei der Diskussion über "Glücksspielwerbung in der Zukunft". Normalerweise fallen die Regulierer bei diesem Thema in Schockstarre. Wenn, wie in Hamburg, Goldfische an einem Spielhallen-Schaufenster als Auslöser von Spielsucht verdächtigt werden, dann ist alles außerhalb eines Aquariums die Sintflut. Mindestens. Weil es Zeit wird, mit solchem Kinderkram aufzuhören, der sowohl den Spielerschutz als auch die Werbung beleidigt, hat der Summit auch dieses Thema aufgegriffen.

Die Deutsche Automatenwirtschaft hat mit diesen Themen mal kräftig durchgelüftet. Den Staub von über einem Jahrzehnt juristisch festgenagelter Denke müssen wir endlich loswerden. Als die Bundesverfassungsrichter 2006 die Regulierungsleitlinien vorgaben, gab es noch keine Smart­phones, mit denen mehrere Glücksspielangebote nicht nur unter ein Dach, sondern sogar in eine Jackentasche passen, und auch noch durch Push-Werbung forciert werden. Es wird Zeit, dass sich das rumspricht.

Das geht aber nur, wenn man den Mut zur Diskussion "out of the box" hat. Und dem Murmeltier mal eine Pause gegönnt wird. Dem Gaming Summit 2019 hat das richtig gutgetan. Und den Besuchern auch.

Stefan Dreizehnter, Chefredakteur games & business
[email protected]

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