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Manfred Schlösser

Chapeau

Überall ist zu lesen, dass die Nach-Corona-Welt eine ganz andere sein wird. Das verunsichert, schafft Widerstände, macht manch einem aber auch Freude. Dass die Welt eine andere sein wird, kann ich nicht ganz glauben. Über Jahrhunderte Erlerntes und Erlebtes schüttelt man nicht so leicht ab. Das ist selbst nach verheerenden Kriegen und Pandemien wie der Pest nicht passiert.

Teile der Arbeitswelt werden sich ändern, weil wir neue Möglichkeiten entdeckt haben. Kultur, Sport und Gesellschaft werden nach Corona (wenn es das denn je gibt) eine Zeit brauchen, bis sie dem Frieden trauen und zu altem Glanz zurückkehren. Arbeiten kann man durchaus zeitweise von zuhause. Rock am Ring oder ein Pokal-Endspiel wird man auf dem Sofa aber nie so erleben können, wie es uns live unter die Haut und ans Herz gegangen ist. Spiele im Internet, ja, auch sie können Spaß machen. Schließlich hängen junge Leute oft nächtelang vor ihrem Rechner. Ob das gut und sinnvoll ist, steht hier nicht zur Debatte, es scheint auf jeden Fall Spaß zu machen.

Aber beim Spiel ums kleine, aber auch große Geld ist das anders. Man kann sich zwar freuen, wenn man online einen Gewinn einstreicht, aber wie bei Musik und Sport kommt erst Begeisterung auf, wenn man das Erlebnis mit anderen teilen kann. Darin, so glaube und hoffe ich, sind wir uns alle einig.

Trotzdem fordert uns die Krise auf, vieles neu zu denken und uns weiterzuentwickeln. Corona packt alles auf den Tisch. Obwohl wir in einer Wolke von gefühlter Ahnungslosigkeit stecken, was das Virus angeht, müssen wir Wege in die Zukunft denken. Wir dürfen uns allerdings nicht in Überlegungen festbeißen, was denn da alles kommen könnte. Das kommt sowieso. Wir müssen uns fragen, wo wir selbst gerne hinwollen. Mit welchen Spielen, mit welchen Spielhallen? Mit welchem Qualitätsanspruch, mit welcher Verantwortung? Wir müssen Zukunft bauen, nicht entgegennehmen. Das muss das Ziel sein.

Wie und womit wollen wir in 10 oder 20 Jahren dastehen? Wie sollen unsere Unternehmen und die Branche dann aussehen? Ja, die Politik und gesellschaftliche Gruppen werden uns immer wieder reinreden und uns Restriktionen in den Weg stellen. Wenn wir aber unseren Weg kennen, werden wir viel einfacher mit diesen Anforderungen umgehen können. Die Vordenker der Branche in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben gezeigt, wie es geht.

Eine zentrale Lehre aus der Krise unterstreicht aber auch, dass es ohne gemeinsames Verantwortungsbewusstsein nicht gehen wird. Die Branche hat gezeigt, dass sie dies schon jetzt lebt – vorneweg die Verbände, die all denen Hilfestellung gegeben haben, die das gemeinsame Verantwortungsbewusstsein teilen und Mitglied sind. Auch die Industrie hat im Lockdown geholfen, wo Not am Manne war. Und zurzeit beweist die Branche in der Fläche, dass Qualität und Verantwortung keine Frage von "Klein oder Groß" ist. Alle schaffen das. Sogar in der Gastronomie helfen Aufstellunternehmen den Wirten Hygienekonzepte umzusetzen und so durch Automaten Umsätze zu generieren, die anderswo coronatechnisch brutal wegbrechen.

Das Sozialkapital der Branche ist viel größer, als es von Politik und Teilen der Gesellschaft gesehen wird. "Chapeau" kann man da nur anerkennend sagen. Auch von der Politik sollte das endlich mit Akzeptanz, besser noch mit Anerkennung, honoriert werden.

Manfred Schlösser, Verleger games & business

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