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Steffen Hanak

Ausgestreckte Hand

Nach einem Jahr Corona dürfte Frustration ein vertrautes Gefühl für viele sein. Die Liste der Dinge, die nicht funktionieren, ist zu lang. Für die Automatenbranche ist dieses Gefühl leider kein neues. Hängepartien, föderales oder kommunales Flickwerk und fehlende Perspektiven auf lange Sicht sind für die Aufstellunternehmer hierzulande ein Dauerzustand.

Trotzdem ist die Branche ein Partner der Politik geblieben. Coronabedingte Hygienekonzepte stehen. Mitarbeiter wurden und werden geschult. Im Kampf gegen das illegale Spiel wurden und werden Behörden bei ihren eigenen Schulungen von Experten aus der Automatenbranche unterstützt. Viele Dinge laufen Hand in Hand. Doch wer genau hinschaut, sieht, dass eine Hand immer wieder rasch zurückgezogen wird.

Dass jetzt mit Blick auf den neuen Glücksspielstaatsvertrag in manchen Bundesländern via Landesglücksspielgesetz sogar zu einem Kahlschlag gegen das legale terrestrische Spiel ausgeholt wird, hat dafür gesorgt, dass sonst eher zurückhaltende Aufstellunternehmer an die Öffentlichkeit gehen. Sogar im Wahlkampf. Mit Online-Petitionen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz prangert die Branche hundertfach drohende Betriebsschließungen und tausendfachen Arbeitsplatzverlust an. Das hat Eindruck gemacht – sogar in Landtagen. Manche Kommunalpolitiker springen der Branche bei. Denn weniger Arbeitsplätze, weniger Steuereinnahmen und verödete Gewerbeflächen in der Innenstadt treffen die Kommunen zuerst. Vielleicht kann auf dieser Ebene echte Partnerschaft Wurzeln schlagen.

Noch ist offen, was sich daraus entwickelt. Dennoch arbeitet die Branche längst an der Umsetzung des politisch geforderten Spielersperrsystems. Die Verbände haben in Windeseile virtuelle Info-Seminare entwickelt und die Hersteller die benötigten Produkte schon fertig. Die Branche ist unter Volldampf dabei. Ohne zu wissen, wann Spielhallen wieder öffnen dürfen und ohne zu wissen, ob der eigene Betrieb nach dem 1. Juli überhaupt noch existiert.

Die Hand bleibt also weiter ausgestreckt – hoffen wir, dass endlich einmal jemand einschlägt!

Steffen Hanak, stellv. Chefredakteur games & business
[email protected]

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