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Glücksspielwerbung

Aufsichtsbehörden setzen DFB unter Druck

Die Glücksspielaufsichten der Länder drohen dem DFB aufgrund der Glücksspiel-Werbung im deutschen Fußball mit Konsequenzen.

Die Glücksspielaufsichten der Länder haben sich in einem scharfen Brief an den Deutschen Fußballbund (DFB) gewandt. Das geht aus einer Pressemitteilung des NDR hervor. Hintergrund sind die umfangreichen Werbepartnerschaften mit Glücksspiel-Anbietern, die neben Sportwetten auch illegale Online-Casino-Spiele im Angebot haben. Erst kürzlich hatte der DFB eine umfangreiche Partnerschaft mit Bwin öffentlich gemacht.

In dem Brief an den DFB, der Reportern des NDR und der Süddeutschen Zeitung vorliegt, soll es heißen: "Ihr Partner Bwin bietet neben Sportwetten leider auch unerlaubt die Teilnahme an Online-Casino-Spielen an." Das Innenministerium von Baden-Württemberg, das den Brief in Abstimmung mit den anderen Ländern verfasst habe, führt weiter aus: "Die einschlägige Rechtsprechung lässt keinen Raum für Zweifel an der Rechtswidrigkeit entsprechender Angebote" und "Werbung für unerlaubte Glücksspiele ist verboten (...). Die Glücksspielaufsichtsbehörden haben darauf hinzuwirken, dass unerlaubtes Glücksspiel und die Werbung hierfür unterbleibt." Sollte der DFB in Zukunft weiter für Bwin werben, "besteht die Gefahr, dass die Werbung von Bwin insgesamt untersagt wird."

In Deutschland werden Sportwetten aktuell geduldet, ab 2020 könnten die Anbieter offizielle Lizenzen erhalten. Alle anderen Glücksspielangebote im Internet sind nicht erlaubt, auch die Werbung für solche Angebote ist untersagt. "Für genau jene Angebote wirbt ein Fußballverein aber automatisch mit, wenn er beispielsweise das Logo eines Anbieters auf seinem Trikot präsentiert", heißt es in der Pressemitteilung. Experten sprechen von sogenannter Dachmarken-Werbung, weil generell für die Marke des Anbieters geworben wird, also für alle Geschäftsfelder.

Der DFB habe auf konkrete Anfragen zu dem Brief nicht reagiert, heißt es in der Pressemitteilung. Weitere Reaktionen: "Die DFL gibt an, dass der Werbevertrag mit Tipico sich nur auf Sportwetten-Angebote beziehe. Tipico behauptet in einer Stellungnahme, die Dachmarkenwerbung sei erlaubt. Bwin beruft sich auf Anfrage auf den Standpunkt, dass das Casino-Angebot in Deutschland generell legal sei, weil das deutsche Recht dem Europarecht entgegen stehe."

Die Untersagung einer Kooperation mit Glücksspielanbietern dürfte die Vereine und den DFB Millionen kosten: Presseberichten zufolge zahlt Tipico dem FC Bayern mehr als 5 Millionen Euro pro Saison, der DFB soll dem Vernehmen nach sogar 50 Millionen Euro von Bwin für das Werbepaket erhalten. Soweit werden es die Beteiligten wohl nicht kommen lassen, mutmaßen die Verfasser der Pressemitteilung: "Ein möglicher Kompromiss könnte darin bestehen, dass der DFB die Dachmarken-Werbung umgeht und bei seinen Werbebotschaften deutlich macht, dass sie sich nur auf einen Teil des Angebots von Bwin beziehen, nämlich die Sportwetten. Wie eine solche Lösung konkret aussehen würde, ist allerdings unklar."

Bild: © Carmen 56 – stock.adobe.com

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