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Manfred Schlösser

Auf ein besseres Neues

Ja, 2017 war kein Jahr, das sich zur Wiederholung aufdrängt. Sicher, ganz persönlich kann das ja ein gutes Jahr gewesen sein. Für die Automatenwirtschaft insgesamt war es das sicher nicht. Da sind uns einige Urteile um die Ohren geflogen, mit deren dramatischen Inhalten wir nun wirklich nicht gerechnet hatten. Fünfzig Jahre lang und mehr konnte die Branche darauf vertrauen, dass die Gerichte sie und ihr Tun neutral und objektiv bewerten. Lässt man die Jahre Revue passieren, so war es schon oft so, dass die Politik eine scharfe Attacke gegen die Automatenwirtschaft geritten hatte, von den Gerichten aber zurückgepfiffen wurde, weil nicht rechtens. Da gab es sogar unvergessliche Sternstunden. Bei all den guten Argumenten und dem Heer an Rechtsberatern hatte man auch diesmal darauf gesetzt. Es kam anders. Erstmalig diffamierten und diskreditierten höchste Richter einen ganzen Berufsstand und Wirtschaftszweig. Das hatte 2017 Neuheitenwert.

Auch politisch hatten wir schon bessere Jahre. Die Parteienlandschaft zersplittert mehr und mehr. Immer weniger Bürger sehen sich langfristig an politische Lager gebunden. Man entscheidet in letzter Spontan-Minute, vielleicht erst in der Wahlkabine. Kalkulierbar ist das kaum noch. Die Bundesrepublik hat jetzt schon einige Monate lang keine gewählte Regierung mehr, nur eine geschäftsführende. Auch das hatte 2017 Neuheitenwert. Spielhallen wurden schon immer eröffnet, aber auch geschlossen. Letzteres waren Einzelfälle, meist lag irgendwie schuldhaftes Verhalten vor. Jetzt trifft die Schließungsverfügung in ersten Ländern eine Vielzahl von Unternehmen, deren einziges "Vergehen" ist, dass sie zu wenig Abstand zum Wettbewerb haben. Abstand als Schließungsgrund. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Würde so was Schuhgeschäfte oder Friseure treffen, in manchen Straßen würde nur noch Leerstand regieren. Es dürfte das erste Mal in der deutschen Nachkriegs-Geschichte sein, dass der Staat – hier durch die Länder – meist kleineren Familienunternehmen auf diese Art und Weise und mit dieser Begründung die Existenz vernichtet. Auch das hatte 2017 Neuheitenwert.

Die Automatenindustrie ist hervorragend aufgestellt. Wer hätte vor 30 oder 40 Jahren gedacht, dass diese Unternehmen einmal Welt-Marken würden. Anlässlich einer IMA-Pressekonferenz fragte mich noch vor 20 Jahren ein australischer Kollege: "Who the fuck is Gauselmann?". Lange ist es her und der junge Journalist vom anderen Ende der Welt wird die Merkur-Sonne jetzt kennen – die Markenzeichen der anderen Großen ganz sicher auch. Handel und Aufstellerschaft sind ebenfalls gut organisiert, verdienen Geld und werden die Bühne nicht kampflos verlassen, wie so manch andere Branche. Es mehren sich auch die Anzeichen, dass in der Politik nachgedacht wird. Jungen Politikern geht die Verweigerungshaltung der Altvorderen langsam gegen den Strich. Es ist Bewegung reingekommen. Auch das hat 2017 Neuheitenwert und macht Hoffnung.

An das Jahr insgesamt aber: Haken dran und Mund abputzen. In den kommenden Tagen steht Weihnachten vor der Tür, Silvester folgt auf dem Fuß. Lassen Sie uns etwas ausruhen, Luft holen und mit Familie und Freunden intensiv zusammen sein. Kräfte sammeln für ein 2018, das uns allen erneut viel abverlangen wird. Die Zeiten werden nicht einfacher, aber wir werden sie meistern. Ich wünsche Ihnen die Kraft dazu, den Mut, die Gesundheit und das Quäntchen Glück, das man immer zum Erfolg braucht. Alles Gute also und bleiben Sie uns gewogen.

Ihr Manfred Schlösser, Verleger von games & business

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