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Manfred Schlösser

Angst essen Seele auf

 

An Corona hat Rainer Werner Fassbinder nicht denken können, als er sein Melodram geschrieben hat. Das Virus war noch nicht in der Welt. Aber denkt man nicht unweigerlich an seinen Filmtitel, wenn man Menschen mit Maske durch die Natur radeln sieht? Oder, wenn ein lange nicht gesehener Freund einen anblafft: "Bleib fort". Als sei man ein böser Geist. Ja, oft wird man sich sagen müssen, dass Corona-Angst wohl manche Seele auffrisst. Aber allein dies festzustellen und nicht zu verstehen, hilft uns nicht weiter – nicht privat, nicht geschäftlich. Und die Politik hat außer Strafen, Verboten und Erlassen wenig zu bieten. Nur das scheinen ihre Instrumente zu sein, die bösen kleinen Tierchen unter Kontrolle zubringen. Auch von Seiten der Medien ist nichts Richtungsweisendes zu erwarten. Entweder ergehen sie sich in Horrorszenarien kumulierter Zahlen (was es noch nie gab), um ihre Auflagen und Reichweiten voranzutreiben, oder ihre Macher gerieren sich als Oberlehrer der Nation. Kritisches Nachfragen wird Verschwörungstheoretikern oder anderen Dumpfbacken überlassen. Eine ganz schlimme Entwicklung, die einen an frühere Zeiten im damals "dunklen" Teil Deutschlands erinnert.Das "Neue Deutschland", es guckt wieder um die Ecke.

Nicht nur die Politik, alle setzen auf ein Impfwunder oder ein Medikament, das uns zumindest die schlimmsten Erscheinungsformen von Covid-19 von den Schultern nimmt. Aber noch mal: Wie soll es weitergehen? Wenn es keinen Impfstoff gibt oder einige Jahre noch nicht geben wird? Antworten darauf hört man keine. Aber gibt es ein Mittel gegen Krankenhauskeime? 400.000 bis 600.000 Infizierte pro Jahr und weit über 20.000 Tote. Nein, ich will Covid-19 bei Gott nicht verharmlosen – aber Fragen und Gegenüberstellungen müssen erlaubt sein. Sie müssen uns dazu aufrufen, das Virus als mittel- bis langfristiges Thema zu sehen und uns damit auseinanderzusetzen. Was machen wir im Winter bei 10 Grad minus, wenn die Fenster in unseren Firmen wieder zubleiben müssen? Lassen wir die ganze Gastro-und Clubszene vor die Wand fahren, weil sie nicht systemrelevant ist – was ich bestreite. Wird Sport nur noch vor Kameras stattfinden?

Wir müssen diese Fragen aber stellen, denn von den Antworten wird der Erfolg unserer Unternehmen abhängen. Die einen sind mehr betroffen, die anderen weniger, die Volkswirtschaft insgesamt aber massiv und Millionen von Arbeitsplätzen auch. Lernen wir also mit der Pandemie zu leben. Leicht gesagt, aber werden wir es durchhalten,wenn die zweite Welle kommt und dazu noch als Monsterwelle hochgeschrieben wird? Wahrscheinlich nicht. Was also tun? Ich weiß es nicht. Ich möchte aber, dass wir einen gesellschaftlichen Diskurs darüber eröffnen. Dass wir uns mit Möglichkeiten und Konsequenzen auseinandersetzen. Dass wir wieder diskutieren und nicht nur schulterzuckend hinnehmen, dass ein Verstoß gegen die Maskenpflicht bald 150 Euro kosten soll.

Viele dieser Fragen und Maßnahmen müssen wieder in die Parlamente. Dazu haben wir eine Demokratie und ein Grundgesetz. Wenn Politik uns dafür nicht für würdig oder gar fähig hält (Letzteres drängt sich manchmal auf), dann wird sich irgendwann wieder eine unappetitliche Partei dieser Fragen annehmen und in die Parlamente einziehen. Lassen wir es nicht dazu kommen, machen wir Druck auf die Politiker, die wir kennen – das ist nämlich gelebte Demokratie. Nur wenige Menschen auf der Welt haben diese Möglichkeit – nutzen wir sie.

In diesem Sinne

Manfred Schlösser, Verleger games & business
[email protected]

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