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Manfred Schlösser

Alles wird immer schlimmer

Viele der Massenmedien, besonders die angeblich so sozialen Medien, vermitteln es uns jeden Tag: Die ganze Welt ist in Unordnung geraten. Und ja, es gibt noch viel Elend auf der Welt, viel Krieg, viel Ungerechtigkeit und viel zu viel Zerstörung der Umwelt. Aber vieles wird nicht schlimmer. Viele und zwar ganz entscheidende Dinge werden besser: Der Anteil der extrem armen Bevölkerung in der Welt hat sich in den vergangenen 20 Jahren halbiert. Wir werden heute im Schnitt doppelt so alt wie unsere Urgroßeltern – welch ein Zugewinn an Jahren. In den Achtzigern hatten wir oft mehr als 250 Terrortote jährlich in Europa. Heute zum Glück nur noch um die 40. In den Fünfzigern waren 2/3 der Weltbevölkerung Analphabeten, heute sind es noch 15 Prozent. Außerdem wurden Geißeln der Menschheit wie Polio und andere Seuchen besiegt. Heute werden Menschen erfolgreich operiert, die noch vor Jahren keine Überlebenschance gehabt hätten. Die Positiv-Liste ließe sich unendlich fortführen.

Und trotzdem steht für viele Zeitgenossen die Welt und mit ihr die Menschheit am Abgrund. Wie kann das sein, wenn wir, der Homo Sapiens, gleichzeitig in der besten Phase unserer Existenz auf Erden sind? Ist es, weil das Zugunglück in Indien bei uns im Wohnzimmer stattfindet, Bilder vom Hurrikan auf den Bahamas uns auf dem Smartphone erreichen? Raubüberfälle und Vergewaltigungen medial vor der Haustür passieren, obwohl sie hunderte von Kilometern entfernt stattfinden und in der Zahl massiv zurückgegangen sind? Die gefühlte Wahrheit stimmt nicht mehr mit der tatsächlichen überein. Viele Menschen wollen den eigenen Gefühlen und Einschätzungen nicht mehr trauen. Das verunsichert. Und wo Verunsicherung auf sattes Leben trifft, da hat sie ihre Chance.

Vielleicht sind auch deshalb weite Kreise der Automatenbranche verunsichert? Als ich Anfang der achtziger Jahre in die Branche kam, gab es diese Verunsicherung nicht. Damals kämpfte die Branche hartnäckig um jeden Zentimeter Neuland. Wirtschaftlich war man längst nicht da, wo man heute ist.

Nein, nicht alles ist gut, aber vieles ist deutlich besser geworden in diesen knapp 40 Jahren. Wirtschaftlich ging es der Branche wohl noch nie so gut wie heute – wie der Menschheit generell. Gleichzeitig kämpft sie aber zum zweiten Mal in ihrer Geschichte um die Existenz. Da macht sich auch hier, trotz aller guten Umstände, Verunsicherung breit.

Keine gute Situation, um eine Branche im breiten Konsens in die Zukunft zu führen. Schnell brechen alte Gräben auf. Groß gegen Klein oder umgekehrt. Fortschritt gegen Bewahrendes. Lautes gegen Leises. Gemeinsame Visionen sind da Mangelware. Wenn die Zukunft nicht so recht vorstellbar ist, wie soll man einen gemeinsamen Weg dorthin finden? Ich denke, man wird sich noch intensiver als bisher an einen gemeinsamen Tisch setzen und die Karten auf denselben legen müssen. Nur wenn Vertrauen herrscht, kann man Menschen mitnehmen. Und das Wissen um die Dinge ist ein wichtiger Baustein dieses Vertrauens.

So wenig wie "alles wird immer schlimmer" für die Welt stimmt, so wenig stimmt es für die Automatenbranche. Es gibt neue Chancen, es gibt tolle Spiele und – ganz besonders wichtig – es gibt trotz staatlicher Gängelei und Konkurrenz im Netz jede Menge treuer Kunden, die wissen, warum sie ihr Spiel und ihren Spielplatz "Spielhalle" immer noch mögen. Dass dies so bleibt, daran müssen wir alle arbeiten.

Manfred Schlösser, Verleger games & business

[email protected]

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