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Stefan Dreizehnter

Alle guten Geister

Die rechtliche Situation der Glücksspielregulierung in Deutschland sei durch oberste Rechtsprechung sehr stabil, hieß es. Auch Europa wäre eingeschwenkt. Die Länder wären von allen guten Geistern verlassen, wenn sie diese stabile Grundlage verlassen würden, hieß es von offizieller Lotto-Seite.

Genau das haben die Länder nun getan. Mit dem Entwurf für einen neuen Glücksspielstaatsvertrag öffnen sie den Markt für das Online-Glückspiel, das vorher einem Totalverbot unterworfen war. Es werden vorsichtige Schritte in Richtung qualitativer Regulierung gemacht. Das ist zwar alles noch nicht genug und vor allem extrem komplex. Aber es bewegt sich mehr, als man vor zwei Jahren noch nicht mal im Traum gedacht hat.

Lotto bewegt sich mit, wie das Interview mit Jürgen Häfner, Geschäftsführer von Lotto Rheinland-Pfalz, in dieser Ausgabe zeigt. Ausgerechnet der Lotto-Block, die konservativste Konstante in der gesamten
Glücksspieldiskussion der letzten Jahre, macht den Schwenk – wird vom Saulus zum Paulus. Mehr noch als alle erwünschten, tatsächlichen oder auch vermissten Veränderungen durch den geplanten neuen Glücksspielstaatsvertrag ist diese Positionsveränderung eines der wichtigsten Zeichen für die Deutsche Automatenwirtschaft.

Denn keine Frage – der Regulierungswind hat sich gedreht. Die vorher auf Abschottung gepolten Institutionen begeben sich in den rauhen Wind des Wandels. Die Regeln dafür sind noch absurd komplex und Ausdruck extremer Vorsicht. Aber ein Zurück gibt es nicht mehr. Dafür ist der Modernitäts-Druck offenbar zu groß, aber auch die Chancen zu verlockend. Das verändert alles – auch die Regulierungsdiskussion für die Branche. Wo der Staat seinen Akteuren den Weg in die virtuelle Zukunft bereitet, wird er den Privaten nicht ewig mechanische Hürden in den Weg stellen können. Die guten Geister von gestern sind Gespenster aus der Vergangenheit. Höchste Zeit, sie zu vertreiben.

Stefan Dreizehnter, Chefredakteur games & business

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