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Stefan Dreizehnter

"500.000"

Eigentlich sollte dies hier ein Stück über computerspielsüchtige Jugendliche in Deutschland werden - so nach dem Motto: Und täglich grüßt das Murmeltier. Die Diskussion hatten wir doch schon mal. Ist 25 Jahre her. Aber dann fiel mir die Zahl auf. 500 000. Ich dachte, die Zahl die kennst Du doch. Nein - nicht nur aus dem Bereich Spielsucht. Auch sonst.

Und weil an einem Aschermittwoch ja sonst nichts lustig ist, habe ich aus Spaß einfach mal "500.000 Süchtige" bei Google eingegeben. Und zack - da waren sie, die 500.000. Natürlich die 500.000 Problemspieler in vorderster Front. Aber noch auf der ersten Seite auch schon die 500.000 Computerspielsüchtigen (alle, nicht nur die Jugendlichen) gleichauf mit den 500.000 Internetsüchtigen. Die 500.000 Internet-Pornographie-Süchtigen sind eine eigene Gruppe und gehören auch offensichtlich nicht zu den 500.000 Sexsüchtigen, die man nur wenige Klicks weiter findet. Die sind dann ganz in der Nähe zu den 500.000 Ess-Süchtigen zu finden, nicht weit entfernt von den 500.000 Arbeitssüchtigen. Bei denen weiß man nicht so recht, ob das finanzielle Ergebnis ihrer Anstrengungen dann in der Kaufsucht mündet - ebenfalls 500.000 Mal vertreten.

Wer nicht in den Abgrund mangelnder politischer Korrektheit gestoßen werden will, muss spätestens an dieser Stelle sagen, dass natürlich jeder Süchtige einer zu viel ist und alles getan werden muss, um die Suchtentwicklung zu verhindern, Prävention zu fördern und Therapie zur Verfügung zu stellen. So viel Empathie muss sein.

Aber fragen darf man schon mal, wie das ist, mit den 500.000? Ist das die kritische Masse, die man braucht, um mediale Aufmerksamkeit zu erhalten? Ist 500.000 die magische Zahl, ab der Forschungsaufträge vergeben und staatliche Fördertöpfe in Sichtweite kommen? Oder braucht man einfach halt mal ne halbe Million, damit eine Sucht auch wirklich eine Sucht ist? Nein - nichts davon ist wirklich lustig. Wenn die Suchtforschung wie beim täglich grüßenden Murmeltier immer mit 500.000 winkt, dann darf man sie fragen, wie ernst sie genommen werden will. Oder kann.

Stefan Dreizehnter, Chefredakteur games & business

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