Manfred Schlösser

Flexibler, kreativer, ­aufgeschlossener

Innenstädte sind nicht nur Versorgungszentren, sie sind auch emotionale Flächen der Begegnung: zum Einkauf, zum Essen und Trinken, zu Spiel, Sport und Freizeit. Für viele Bürger ist der Verlust von alteingesessenen Geschäften und Treffpunkten – zu denen wir auch Spielstätten zählen – ein Stück Heimatverlust. Das liest man in vielen philosophischen Erklärungen von Parteien und Städten. Aber Papier ist geduldig. Obwohl man weiß, dass Einkauf und Gastronomie die größte Sogwirkung für Innenstädte erzeugen, so scheint es, als ob die Politik vielerorts genau das bekämpft. Geradezu systematisch wird deren Sogwirkung zunichte gemacht oder zumindest massiv erschwert. Anstatt den Bürgern die Innenstadt schmackhafter zu machen, werden Parkplätze gezielt reduziert, Öffnungszeiten der Außen­gastronomie verkürzt, die Preise für Parkhäuser im Einklang mit Bußgeldern fürs Falschparken erhöht. Für den Strukturwandel im Einzelhandel wirkt das wie ein Brandverstärker – besonders in Zeiten der Pandemie. Hinzu kommt, dass Leerstand ansteckend ist.

Sicher, die Innenstädte sind im Wandel. Wer will das leugnen. Städte sind Spiegelbild gesellschaftlicher Prozesse. Sie waren früher nie, wie sie heute sind. Und sie werden bald nicht mehr so sein, wie sie heute sind – das ist unbestritten und hat sich über Jahrhunderte und Jahrtausende entwickelt. Die wirtschaftlichen Akteure sind es, die das Bild der Innenstädte vornehmlich prägen und geprägt haben. Waren es früher Handwerk und Markthandel, so sind es heute Handel, Gastronomie und Services. Das Handwerk ist in städtische Randgebiete abgewandert, weil die Mieten nicht mehr zu zahlen und Umweltvorschriften nicht mehr einzuhalten waren.

Neben Wirtschaft und Verbänden muss sich Politik natürlich mit dem Thema beschäftigen, denn oft sind es sogar die Städte selbst, die mit Bodenpreisen und Mieten unguten Entwicklungen noch Zunder geben. Sehr begrüßenswert also, wenn sich einige Städte besinnen und mit guten und kreativen Beispielen vorangehen und den öffentlichen Raum wieder beleben wollen – auch unter Verzicht auf mehr Geld für die Stadtkasse. Für das Ziel einer belebten Innenstadt muss mit vielen Akteuren, mit Stadtplanern, Architekten, mit Wissenschaft und Wirtschaft – und natürlich auch mit Bürgern – gedacht, geredet und geplant werden. Warum sollte es zu viel verlangt sein, auch mal darüber nachzudenken, ob man nicht mit Spiel, Lotterie und Sportwette ein kreatives Angebot schaffen könnte, das dabei hilft, Innenstädte wieder zu beleben und Menschen attraktive Begegnungsstätten zu bieten? Warum sollte es zu viel verlangt sein, darüber mal mit Industrie und Verbänden der Automatenwirtschaft und Glücksspielbranche zu reden? Neben Stadtgärten, Radfahrwegen, Kulturplattformen und Grünflächen sollten doch auch den Menschen Angebote gemacht werden, die ganz einfach spielen wollen – auch um kleines Geld und auch, um dort Freunde und Bekannte zu treffen. Warum sollten Qualitäts-Spielstätten mit kreativem Angebot nicht das leisten können, was man an Spielbanken offensichtlich so schätzt?

Um Leerstand zu vermeiden, müssen Städte zukünftig flexibler, kreativer und aufgeschlossener werden. Neues Denken ist angesagt. Eine gute Mischung aus Handel und Gastronomie, aus traditionellen Freizeitangeboten und neuen, kreativen Angeboten kann die Innenstädte wieder verstärkt beleben. Verbote und ideologisches Denken werden das nicht schaffen.

Manfred Schlösser
Verleger games & business
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